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Donnerstag, 28. August 2008

Goethe in Palästina

Da staunt der Fachmann, und der Wunde laiert sich: Ab der kommenden Woche gibt es tatsächlich zehn jeweils 26-minütige Episoden einer „palästinensischen Lindenstraße“, initiiert und mitproduziert vom deutschen Goethe-Institut in Ramallah. Dessen Leiter Farid Majari erklärt ganz unbescheiden:Mit der Serie wollen wir Tabus in der palästinensischen Gesellschaft berühren.“ Sehen wir demnächst also schwule und lesbische, seitenspringende, anarchistische, abtreibende und aidskranke Palästinenserinnen und Palästinenser? Oder gar welche, die – horribile dictu – Juden mögen? Wer wird die palästinensische Mutter Beimer? Wer der palästinensische Carsten Flöter? Und wer ist eigentlich der palästinensische Hans W. Geißendörfer? Doch gemach. „Matabb“ heißt die Serie, was übersetzt so viel bedeutet wie „Verkehrsberuhigungsschwelle“. Dieser Titel sei eine Metapher, schreibt Thorsten Schmitz im jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung; mit ihm sei „das emotionale Auf und Ab der Serienhelden gemeint und ihr schwieriger Alltag in einem von Israel kontrollierten Gebiet, aus dem irgendwann einmal ein eigenständiger Staat entstehen soll“. Aha. Dennoch gehe es nicht um „heldenhafte Freiheitskämpfer und Märtyrer“, wie Juliane von Mittelstaedt auf Spiegel Online versichert, sondern um „Karrieresorgen, Schulprobleme und Ehekrisen“. Mit einer Ausnahme allerdings: In jeder Folge gebe es „eine Checkpoint-Szene“. Das sei jedoch „nicht weiter schwierig“, denn „wegen der hohen Nachfrage“ – mutmaßlich vor allem von ausländischen Journalisten, die „authentische“ Bilder zeigen wollen – „hat sich in Ramallah ein Checkpoint-Verleih etabliert, mit einem ausgemusterten Armeewagen, Originaluniformen und Spielzeugwaffen“. [...]

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