Wir sind umgezogen!

Freitag, 21. März 2008

Solidarität der Liebenden

Cristo de San Juan de la Cruz / Christus hypercubus
Predigt Karfreitag 2007
KHG Mainz

Meine Schwestern, meine Brüder,

ein Perspektivenwechsel scheint immer dann vonnöten, wenn man sich an einen Gegenstand, eine Struktur, eine Situation oder an einen Menschen gewöhnt zu haben glaubt. Man hat dann – insofern man sich Rechenschaft über die eigene Wahrnehmungsperspektive ablegt – das Gefühl, dass man aus der Perspektive aus der man es, sie oder ihn zu betrachten gewohnt ist, nichts Neues mehr und schon gar nicht mehr es, sie oder ihn zu erkennen in der Lage ist.
Wenn wir eine andere Perspektive zu einem Ding, einem Sachverhalt oder einer Person einnehmen, zeigen wir uns zunächst davon irritiert, dass die Perspektiven Widersprüchliches zu Tage bringen. „Man muss“, so Dalí, „systematisch Verwirrung stiften – das setzt Kreativität frei. Alles, was widersprüchlich ist, schafft Leben.“ Nun ist schon die Epiphanie Gottes im Gekreuzigten ein Widerspruch, der krasser nicht gedacht werden kann. Der lebendige, allmächtige, transzendente Gott offenbart sich im Gekreuzigten „unter der Gestalt seines Gegenteils“ (Luther). Diesen Widerspruch wahrzunehmen haben wir offensichtlich verlernt. Der Gekreuzigte hängt in unseren Kirchen, Wohnungen, an Wegkreuzungen und wo sonst noch, ohne dass dieser Widerspruch Anstoß erregte oder gar Kreativität freisetzte. Dass Sie heute gewissermaßen per Sitzordnung gezwungen sind, die gewohnte Perspektive zu verlassen, verdanken Sie Salvador Dali, der in den 1950er-Jahren verschiedene Perspektiven auf das Kreuz Christi einzunehmen versuchte.

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