Wir sind umgezogen!

Montag, 24. März 2008

Christus ist auferstanden

Predigt am Ostersonntag 2001 im Berliner Dom und in St. Matthäus zu Berlin (Johannes 20, 11-18)

Wolfgang Huber

I.

Ich erinnere mich noch genau: Es war der erste Ostersonntag hier in Berlin. Ich war auf dem Weg zum Gottesdienst. Die Ampel sprang auf Rot. Vor mir hielt ein Auto. Die Fahrerin stieg aus, kam zu mir ans Autofenster und rief mir zu: Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden. Sprach’s, stieg wieder in ihr Auto und fuhr weiter. So hatte ein Ostersonntag zuvor noch nie für mich angefangen.

Aber im vergangenen Jahr war es ähnlich. Wir waren zu Ostern in Indien, zu Gast bei der Evangelisch-Lutherischen Gossner-Kirche, unserer indischen Partnerkirche. In Ranchi, dem Zentrum dieser nordindischen Kirche, waren wir rechtzeitig zum Osterfest angekommen. Das Leben in der Osternacht hielt uns ziemlich in Atem. Von den Dörfern der Umgebung zogen die Menschen herbei; ihr Gesang erfüllte die ganze Nacht. Denn schon um zwei Uhr begann ein erster Ostergottesdienst auf dem Friedhof. Ab drei Uhr sammelten wir uns dann beim Haus des Bischofs. Und der Ruf scholl uns entgegen: "Christus ist auferstanden - Halleluja!" Singend zogen wir miteinander auf den Friedhof. Kerzen wurden auf die Gräber gestellt - ein Meer von vielen tausend Kerzen. Genau während der Predigt ging die Sonne auf und überstrahlte das Licht der Kerzen, die allmählich ausbrannten. So intensiv hatte ich das Auferstehungslicht noch nie erlebt.

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu erreicht mich, wenn jemand mir sie zuruft, einfach und überraschend: Christus ist auferstanden. Mitten auf der Straße. Diese Botschaft verwandelt mich, wenn das Licht der Auferstehung mein Herz erreicht - wie in jener Nacht in Indien. Auferstehung geschieht, wenn eine Beziehung in Gang kommt.

Die Ostergeschichte ist eine Liebesgeschichte. Sie handelt von einer Beziehung. Da reicht es nicht zu, wenn jemand zurückfragt: Kannst du es beweisen? Wer so fragt, fragt nicht zu viel, sondern zu wenig. Wir wissen es alle: Wenn bei einer Liebesgeschichte jemand fragt: Kannst du das beweisen? dann ist die schiefe Bahn schon betreten. Er hat dann nicht zu viel, sondern zu wenig gefragt.

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