Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 27. Februar 2008

Arik zum Achtzigsten

Wäre Ariel Sharon noch bei Bewusstsein und hätte er die heutigen nassforschen Aufforderungen der deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul an die israelische Regierung zu kommentieren gehabt – er hätte nur das zu wiederholen brauchen, was er bereits zu Beginn des Jahres 2002 in seinem ersten und einzigen Interview mit einer deutschen Zeitung sagte: „Was sollen wir tun? Kapitulieren? Ich bin ein Jude. Zum ersten Mal seit 2000 Jahren haben die Juden ein winzig kleines Land, 15-mal kleiner als Deutschland. Israel ist das einzige Land in der Welt, wo die Juden das Recht haben, sich selbst zu verteidigen. Und dieses Recht werden wir nie aufgeben. [...] Wir wissen, was den Juden im Zweiten Weltkrieg angetan worden ist. Sie in Deutschland oder Europa sollten deshalb nicht einmal versuchen, uns zu Konzessionen zu bewegen. Solche Ratschläge werden wir nicht akzeptieren. Vielleicht würde das mit einem anderen Premier funktionieren. Aber nicht mit mir. Nicht mit mir.“ Doch Sharon ist nicht mehr zu Bewusstsein gelangt, seit er am 4. Januar 2006 infolge starker Hirnblutungen in ein künstliches Koma versetzt wurde, das bis heute fortdauert.

1942 trat Ariel Sharon, Sohn eines polnisch-deutschen Vaters und einer russischen Mutter, als gerade einmal 14-Jähriger der Haganah bei; im Alter von 20 Jahren kommandierte er bereits eine Infanteriekompanie im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948. Er prägte die Geschichte Israels vom ersten Tag an entscheidend, sowohl militärisch – etwa während der Suezkrise, im Sechstagekrieg und dem Yom-Kippur-Krieg – wie auch als Politiker, beispielsweise in seiner Funktion als Verteidigungsminister (zweimal), Außenminister, Vorsitzender des Likud, Gründer der Kadima und als Premierminister, der er seit 2001 war. Es muss letztlich Spekulation bleiben, wie sich die israelische Innen- und Außenpolitik in den letzten beiden Jahren entwickelt hätte, wenn Sharon Regierungschef hätte bleiben können. Aber dass er mit seinem Weitblick, seiner Entschlusskraft und seinem Durchsetzungsvermögen vor allem in Israel schmerzlich vermisst wird, ist gewiss, so umstritten er stets gewesen sein mag.

Heute wird Ariel Sharon achtzig Jahre alt. Aus diesem Anlass sei hier das letzte Interview dokumentiert, das er gegeben hat. Es erschien am 3. Januar 2006 – einen Tag, bevor Sharons Dauerkoma begann – in der japanischen Zeitung Nikkeinet (und in englischer Sprache drei Tage später in der Yediot Ahronot). Sharon äußerte sich darin über die Frage einer Teilung Jerusalems, die Road Map, den palästinensischen Terror, das iranische Atomprogramm, die Zukunft der Golanhöhen und die Situation in Syrien. Nichts davon hat an Aktualität und Dringlichkeit verloren. Lizas Welt hat das Gespräch ins Deutsche übersetzt. [...]

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