Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Jahresendpreisrätsel

Manche Sätze gehören einfach in Stein gemeißelt: „Der eigentliche Gewinn, auf den der Volksgenosse rechnet, ist die Sanktionierung seiner Wut durchs Kollektiv“, schrieben Horkheimer und Adorno einmal über die maßgeblichen Triebkräfte des Antisemitismus, und: „Je weniger sonst herauskommt, um so verstockter hält man sich wider die bessere Erkenntnis an die Bewegung. Gegen das Argument mangelnder Rentabilität hat sich der Antisemitismus immun gezeigt.“ Es war dies nicht zuletzt eine Kritik des Ökonomismus, wie ihn die Kommunisten betrieben, die in Auschwitz, Treblinka und Majdanek bloß die Kulmination der Verbrechen des Monopolkapitals, die ultimative Konsequenz ungehemmten Profitstrebens also, erkennen wollten. Dass die Vernichtung der europäischen Juden um ihrer selbst willen geschehen und keiner gewöhnlichen Kosten-Nutzen-Rechnung gefolgt sein könnte, war für die Revolutionäre schlicht undenkbar.

Die 1944 erstmals veröffentlichten Ausführungen der beiden Philosophen haben jedoch an Bedeutung, Richtigkeit und Aktualität auch über ihren Bezugsrahmen hinaus nichts eingebüßt und dürfen daher noch heute Gültigkeit beanspruchen. Und das nicht nur als Argumente gegen die Götz Alys dieser Welt, die eine vorgeblich kühle und unideologische Berechnung der Volksgenossen als Hauptgrund für Arisierung und Judenmord ausmachen und den Antisemitismus für vergleichsweise vernachlässigenswert halten. Sondern auch als Erklärung für die Motivation jener völlig verkrachten Existenzen, die mit geradezu manischem Eifer allen nachstellen, die den Lustgewinn der Antisemiten (also die von Horkheimer und Adorno so genannte Sanktionierung der Wut durchs Kollektiv) zu verhindern bemüht sind.

Diese Spezies postnazistischer Judenhasser hält ungezählte Exemplare bereit, allerdings erreichen nicht alle auch einen relativen Bekanntheitsgrad. Die meisten lassen ihrem – manchmal als „Israelkritik“ verbrämten – Antisemitismus im Bekanntenkreis oder am Stammtisch freien Lauf; eine Vielzahl tobt sich außerdem in Internetforen, Kommentarspalten oder Mailinglisten aus. Aber nur wenige betreiben eigene Internetseiten, die ungewollt zum Zeugnis des pathologischen Wahns werden, und noch weniger sind in ihrer Besessenheit dermaßen auf eine Person fixiert, dass jeder Psychiater statt eines Honorars ein Schmerzensgeld berechnen müsste, wäre er mit den Betreffenden zum Zwecke ihrer Kurierung konfrontiert. Um zwei besonders verhaltensauffällige Repräsentanten dieser Gattung, die mit der Realität unversöhnlich auf Kriegsfuß steht, soll es hier gehen. [...]

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