Wir sind umgezogen!

Sonntag, 2. Dezember 2007

Der Doktor und die guten Deutschen

Ein erstaunliches Stück über den Felix Krull der israelischen Friedensbewegung, seine Rolle und Rezeption in Deutschland, den Verbleib seiner Promotionsschrift und das Zustandekommen akademischer Würden.

Henryk M. Broder

Doktorspiele eines rumänischen Patienten


Wer in Israel einen Doktortitel haben will, der muss sein Studium mit einer Dissertation abgeschlossen haben. Es gibt aber auch einige Ausnahmen, die nicht unter die Promotionsordnung fallen: „Doktor Foto“ und „Doktor Radio“ waren zwei Bastler, die jede Kamera und jedes Rundfunkgerät reparieren konnten, als solche Geräte noch zu den Luxusgütern zählten. „Doktor Schakschuka“ heißt ein nordafrikanisches Lokal in Jaffo, „Doktor Lek“ ist ein Eishersteller, der ein Dutzend Eisdielen im ganzen Land betreibt. Es gibt noch einen dritten Weg zum Doktortitel: nach Deutschland fahren, um dort den Nahostkonflikt an vorderster Front zu lösen. In einem solchen Fall entfallen alle Prüfungen; alles, was der Kandidat leisten muss, ist, dem deutschen Publikum das zu erzählen, was es von ihm hören möchte. Handelt es sich dazu noch um einen Holocaustüberlebenden, der für die Palästinenser Partei ergreift, ist seine politische und moralische Autorität von Anfang an garantiert.

Reuven Moskowitz, so steht es bei Wikipedia, „wurde 1928 im nordrumänischen Frumsiaca geboren“ und „mit elf Jahren ins Ghetto vertrieben“. 1947 wanderte er nach Palästina ein, wo er das „Friedensdorf Neve Shalom/Wahat al-Salam“ mitgründete. Etwas ausführlicher ist die Biografie, die man auf der Website SK Tours in Nature findet. Da heißt es u.a.: „After studying History and Hebrew Culture at the University at Tel Aviv and the Hebrew University at Jerusalem, he was a history teacher for many years. With his work on the subject ‚Germans and Jews between the power of spirit and the powerlessness of violence’ he received his doctorate in History in Berlin in 1974.” In einem Interview mit der jungen Welt gab er weitere Details aus seiner Studienzeit preis: „Übrigens war ich einer der letzten Schüler des Philosophen Martin Buber, der gar nichts anderes gesagt hat als ich.“ [...]

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