Wir sind umgezogen!

Freitag, 19. Oktober 2007

Osirak reloaded

Was am 6. September in der nordsyrischen Kleinstadt Dayr as Zawr geschah, darüber gab es lange Zeit breites Schweigen, und die Spekulationen schossen ins Kraut. Mehrere Wochen lang wurde nur gemutmaßt, Israel könnte in einer verdeckten Operation mit Kampfjets eine syrische Atomanlage dem Erdboden gleichgemacht haben; inzwischen herrscht weitgehend Einigkeit, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat. Als sicher gilt zudem, dass drei Tage vor dem Militärschlag mit dem Namen Operation Orchard (Operation Obstgarten) ein Schiff mit als „Zement“ deklariertem, nuklearem Material aus Nordkorea auf einigen Umwegen an einem syrischen Hafen angelegt hatte und dass die Fracht anschließend nach Dayr as Zawr gebracht worden war, bevor israelische Eliteeinheiten sie dort schließlich – offenbar nach einer Absprache mit der US-Regierung – unschädlich machten. Doch was sich im Detail an Bord des Schiffes befand, wie sich die syrisch-nordkoreanische Kooperation konkret ausgestaltete und was für Pläne die beteiligten Länder im einzelnen mit der nuklearen Einrichtung verfolgten, ist bisher nicht bekannt geworden. Die israelische Regierung bestätigt zwar einen Luftschlag, gibt ansonsten jedoch keinen Kommentar ab. Aus dem syrischen Staatsapparat verlautbarte mit einiger Verzögerung zunächst, es habe gar keinen Angriff gegeben, gefolgt von der Behauptung, es sei ein Forschungszentrum oder ein ungenutztes Militärgebäude getroffen worden. Aber das erwies sich als Falschinformation; mittlerweile hat der syrische Botschafter bei den Vereinten Nationen eingestanden, dass eine Atomanlage zerstört wurde.

Douglas Davis, ehemaliger leitender Redakteur der Jerusalem Post, und James Forsyth haben für den Spectator intensive Recherchen unternommen. Sie kommen zu dem Schluss, dass ein „akribisch geplanter, brillant durchgeführter chirurgischer Schlag israelischer Jets“ die Welt „aus einer schrecklichen Gefahr gerettet haben“ dürfte und dass es beste Gründe für Israel gab und gibt, die Einzelheiten geheim zu halten. „Die einzig denkbare Erklärung für das beispiellose Schweigen ist, dass der Vorfall so riesig war und die Folgen für die israelische Sicherheit so bedeutend, dass niemand es wagte, die Regel der omertà zu brechen“, schreiben die beiden Autoren. Sie analysieren die „am wenigsten unwahrscheinlichen“ Möglichkeiten, wozu die Atomanlage dienen sollte, und räsonieren über die Konsequenzen aus dem Schlag gegen Syrien. „Wir mögen aus diesem Vorfall ohne Krieg herausgekommen sein, aber wenn dem Iran erlaubt wird, weiterhin den nuklearen Weg zu beschreiten, ist es schwer vorstellbar, dass wir wieder so glimpflich davonkommen“, lautet ihr Fazit. Bernd Dahlenburg vom Weblog Castollux hat den Beitrag aus dem Spectator für Lizas Welt übersetzt. [...]

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