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Mittwoch, 17. Oktober 2007

Lob des Wissenwollens

Die Schoa ist kein Thema von gestern: Saul Friedländers Friedenspreisrede

Der Applaus ist anfangs verhalten. Dann stehen einige Zuhörer aus den ersten Reihen von ihren Plätzen auf, der Rest des Auditoriums folgt nach, um dem israelischen Historiker Saul Friedländer an diesem Sonntag nach seiner Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche zu applaudieren. Kein Vergleich zu den geradezu frenetischen Ovationen für Martin Walser 1998, als der Schriftsteller über die „Auschwitzkeule“ geklagt hatte, die von ominösen Kräften dazu benutzt werde, den Deutschen ein „normales“ Leben zu verleiden. Nur Friedrich Schorlemmer, Ignatz und Ida Bubis hatten sich damals nicht von ihren Sitzen erhoben.

Ida Bubis war auch diesmal wieder unter den Anwesenden, nebst zahlreicher Prominenz, vom Bundespräsidenten Horst Köhler bis zur Sexualtherapeutin Ruth Westheimer. Er wolle „keine Polemik“ betreiben, sagte Friedländer, wohl in Anspielung auf die Erwartungen, er werde sich noch einmal mit Walser auseinandersetzen. Das hatte bereits der Germanist Wolfgang Frühwald in seiner Laudatio besorgt, als er sagte: „Wer dies (die Erzählung von der Vernichtung der Juden) – wie die stereotype Formel lautet – nicht mehr hören kann, der hat es noch nie wirklich gehört“. Szenenapplaus. Frühwald fuhr fort: „Wer sich gar wohl fühlt im weltweit wachsenden Lager derer, welche die Tatsächlichkeit dieses Verbrechens gegen Rang und Würde des Menschseins leugnen, stimuliert die Lust auf Wiederholung.“


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