Wir sind umgezogen!

Freitag, 28. September 2007

Passt doch

Ali Kizilkaya haben wir alle schon im Fernsehen bewundern dürfen, der durchaus eloquente Deutschtürke streitet mit Politikern und allen anderen Meinungsmachern um seine Religion und um das Thema Integration. Selbstverständlich betont Kizilkaya immer wieder, dass die Migranten nicht anders behandelt werden wollten, als "die Deutschen". In Wirklichkeit spricht der Mann natürlich nur von "seinen" Migranten, also den Muslimen, noch konkreter den im "Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland" vereinigten Muslimen. Die stellen zwar nur ein Bruchstück der drei Millionen dar, aber das macht nichts, inschallah, der Mann wird ständig in Talkshows eingeladen, es sollte also nicht wundern, wenn er seine Kompetenzen zu Gunsten seines Images erweitert.

Kizilkaya ist ein guter Repräsentant, er wohnt über 35 Jahre in Deutschland, kann sich artikulieren und wirkte ohne seinen Akzent - mit Schnauzer, Seitenscheitel und Stangensakko - wie ein typischer Deutscher. Mit denen hat er auch die deutsche Vereinsmeierei gemein, Kizilkaya war früher Chef der deutschen Sektion von Milli Görüs, heute sitzt er dem Islamrat vor, in dem sein alter Verein wiederum die meisten Mitglieder stellt. Nun forderte Kizilkaya in seiner Eigenschaft als Chef des Islamrates, man solle die Überwachung der Organisation Milli Görüs einstellen, er sei schließlich selbst Mitglied und habe noch nie gegen die Verfassung verstoßen und außerdem dürfe man "eine Organisation nicht unter Generalverdacht stellen". Der arme Generalverdacht, noch vor kurzem wollte man ihn nur nicht gegen Religionsgemeinschaften oder die Bewohner ostdeutscher Menschenjagdsreviere einsetzen, nun sollen auch "Organisationen" vor ihm geschützt werden. Auch die Partnerorganisation Ditib schlug in diese Kerbe und forderte, man solle endlich damit aufhören, den Islam mit Terror und Gewalt in Verbindung zu bringen, das verletze "die Muslime" und sowieso diene der Islam nur "der Glückseligkeit".

Nun ist es nicht ganz klar, warum der Ditib-Mann diese Informationen nicht den Taliban, den Vertretern des saudischen Wahabismus, dem Kollegium der Azhar-Universität oder dem irakischen "Widerstand" übermittelt, denn niemand strickt eifriger, ausdauernder und professioneller am PR-untauglichen Islam-Bild in der Öffentlichkeit. Aber man kann schließlich nichts gegen diese Leute sagen - wie auch? Schließlich sind Generalverdachte gegen Organisationen nicht drin.

Trotzdem soll eine verdächtige Gestalt namens Abu Bakr Rieger nicht vergessen werden, die sitzt wie Milli Görüs-Mann Kizilkaya auch im Vorstand des Islamrates, ärgert sich darüber, dass Muslime ständig beleidigt werden und beschäftigt sich mit der islamischen Glückseligkeit. Dabei legt er viel Wert auf die deutsche Geschichte, vor Erregung zitternd rief er zum Beispiel einer kreischen Menge zu, dass die Großväter der Deutschen in Bezug auf den gemeinsamen Hauptfeind nicht ganz gründlich waren. Rieger ist ein sehr höflicher Mensch, er entschuldigt sich bei seinen Glaubensbrüdern, alhamdulilla, nicht nur für die Existenz Israels, nein, er entschuldigt sich für die nicht zum Abschluss gebrachte sogenannte "Endlösung der Judenfrage in Europa". Der ein oder andere, der jetzt schon seine Fäuste ballt, sollte sich zurücknehmen, denn am wichtigsten ist es jetzt, keinen Generalverdacht anzustellen!

Wenn Ali Kizilkaya das nächste Mal bei Maischberger oder Plasberg sitzt und sich anmaßt, er könnte als Chef einer Minderheit der deuschen Muslime über die Befindlichkeiten derjenigen, die er gar nicht vertreten kann, die Islamophobie und ungerechte Behandlung dozieren, dann sollte man sich nicht nur Kizilkayas politische Heimat Milli Görüs vor Augen halten, sondern auch seinen Mitvorstand Abu Bakr Rieger und dessen Rede vom deutsch-muslimischen "Hauptfeind", den man leider nicht ganz aus dem Weg räumen konnte. Tut man das, erkennt auch der größte Gutmensch ganz schnell, dass bei diesem Verein einen deutlicher und geradezu unverschämter Unterschied zwischen Worten und Taten besteht. Aber bitte, bitte keinen Generalverdacht - inschallah!

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