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Montag, 17. September 2007

Der Suizidpazifisten-Reflex

"Als Pythagoras seinen bekannten Lehrsatz entdeckte, brachte er den Göttern hundert Ochsen dar. Seitdem zittern die Ochsen, so oft eine neue Wahrheit ans Licht kommt.", meinte Ludwig Börne (1786-1837) und beschrieb die Dramatik rund um das standardisierte Phänomen der Erkenntnis in seiner amüsantesten Form. Neue Wahrheiten, die ans Licht kommen, werden von den Ochsen bekämpft, falls sie die eigenen Ziele oder die kostbare Identität gefährden - Die Ochsen können alles sein: Organisationen wie die Kirche, Parteien, eigentlich alle kollektive Gemeinschaften oder auch das Individuum. Dieser Kampf erfolgt in aggressiven Reflexen, ergo verharmlosen, vertuschen, ablenken, verleugnen, verdrehen, oder die Wahrheit ganz zur Strecke bringen. Das letzte Unternehmen ist allerdings im modernen Informationszeitalter unmöglich geworden. So können auch die Suizidpazifisten (Siehe hier: Was ist ein Suizidpazifist?) nicht verhindern, dass der neue französische Außenminister realistisch behauptet ""Das Land muss sich auf das Schlimmste vorbereiten":

Frankreich muss sich nach den Worten seines Außenministers Bernard Kouchner auf die Möglichkeit eines Kriegs gegen den Iran einstellen. Die Weltmächte sollten der Islamischen Republik mit weiteren Sanktionen klarmachen, dass es ihnen ernst damit sei, das Land vom Erwerb von Atombomben abzuhalten, sagte Kouchner am Samstag in einem Radio- und Fernsehinterview.

Dennoch müsse sich das Land auf das Schlimmste vorbereiten. "Das Schlimmste ist Krieg", fügte er hinzu. Allerdings stehe dieser Fall seiner Meinung nach noch nicht kurz bevor. Frankreich wolle nichts anderes signalisieren, als dass Frieden im beiderseitigen Interesse sei."

Das reicht schon, dass die Suizidpazifisten zu geifern beginnen. In den "Standardforen" ist plötzlich vom gewollten Angriffskrieg die Rede, es sei schändlich, eine Bushpolitik zu betreiben (sagt ja auch Ahmadinedschad ...) usw.
Eine einfache, realistische Feststellung vom französischen Außenpolitiker wird verdreht, verfälscht und überinterpretiert. Dass sich unsere liebe Außenministerin Plassnik zu ihnen gesellt und jetzt plötzlich eine kriegerische Sprache entdecken will, währendessen sie bei den Tiraden eines Ahmadinedschad meist mucksmäuschenstill blieb, zeigt diesen Zynismus, den ich als unerträglich erachte.
Der Reflexgeifer setzt sich aus zahlreichem Unsinn zusammen: Illusionismus, Antiamerikanismus (USA haben immer unrecht, USA = böse, alle Feinde sind nur bedroht, deshalb muss man ihnen helfen etc.), und falschem Friedensverständnis. Denn beim Wort Krieg schrillen bei jenen sofort die Alarmglocken und die Scheuklappen fahren automatisch hoch. Hier macht man es sich einfach - Bittere Wahrheiten, dass etwa Genozide ohne rechtzeitiges Einschreiten durch das Militär kaum verhindert werden können, werden von diesen nicht akzeptiert. Kosovo, Afghanistan: Alles wurscht, unnötig. Hätte man die feinen Hinterteile doch rausgehalten. Ist doch einfacher, Schwächere dem Schicksal zu überlassen. Was geht uns das an? Daher geistig zu begreifen, dass Holocaustleugner und Israel-Auslöschungsfanaten in Teheran in der aktuellen Situation nicht an Atomwaffen gelangen sollten, scheint eine Unmöglichkeit zu sein.

Diese Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit gegenüber Israel, das in den nächsten Jahren vermutlich tatsächlich mehr denn je um seine Existenz fürchten und kämpfen muss, stimmt mich nachdenklich. Aktuell wäre ein Krieg gegen Teheran absolut falsch und nicht zielführend. Doch die letzte Option ist nun einmal ein Militärschlag, denn es ist den Fundamentalisten absolut zuzutrauen, ihre Träume gen Israel in die Tat umzusetzen. Und das will ich nicht.

Aber wahrscheinlich bin ich jetzt ein Kriegstreiber, ein Neocon, ein Wahnsinniger, ein Idiot, ein Bushjünger, ein verrückter Möchtegernhitler, ein Nazi oder sonst noch irgendetwas.

Hört ihr auch schon die Ochsen schreien?

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