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Montag, 27. August 2007

Wer braucht schon einen Schießbefehl?

Die ehemaligen DDR-Granden haben der Öffentlichkeit nach dem Ende ihrer Tyrannei immer wieder versichert, dass es keinen ausdrücklichen Befehl gab, Flüchtlinge am "antifaschistischen Schutzwall" zu erschießen. Zuletzt äußerte sich Lothar Bisky, der sich den Medien am besten als gewandelten SED-Unterstützer präsentiert. Der im Stile eines nachdenklichen Akademikers auftretende Chef der Linkspartei sagte der "Bild am Sonntag", er glaube nicht an einen allgemeinen Schießbefehl, denn "nur der Nationale Verteidigungsrat [habe ihn] beschließen können" und das sei nicht dokumentiert. Biskys Glaube an die staatlichen Organe einer Diktatur, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, ihre Bürger zu unterdrücken und ihnen eine völlig unrealistische Utopie vorzugaukeln, dieser Glaube entlarvt den angeblichen "demokratischen Sozialisten".

Und genau so, wie die heutigen Nationalsozialisten die "Endlösung" wegen eines nicht vorhandenen "Führerbefehls" als eine Lüge bezeichnen oder glauben, dass ihr geliebter Führer gar nichts von Auschwitz und Majdanek wusste, wollen die ewiggestrigen DDR-Fans nicht daran glauben, dass ein so tolles Land wie der deutsche Arbeiter- und Bauernstaat seine eigenen Bürger an der Grenze wie Hasen jagen und gnadenlos abknallen ließ. Da man die Mordopfer aber schlecht völlig ignorieren kann, wird davon gesprochen, dass an der Grenze "Menschen zu Tode gekommen sind", eben so, als seien sie beim Anblick der Wachtürme an Herzinfarkten gestorben. Am schlimmsten findet es Genosse Bisky aber nicht, dass diese Menschen "zu Tode kamen", sondern dass dies die "schlimmste Seite der DDR" war und dass die Toten "der sozialistischen Idee am meisten geschadet" haben.

Da die alten DDR-Kader so von der grundsätzlich friedlichen Einstellung der Grenztruppen überzeugt sind, sollten sie bitte sofort ermitteln, welche Hobbybastler sich an den Grenzanlagen zu schaffen machten. Diese mysteriösen Techniker installierten Tretminen und Selbstschussanlagen entlang der Grenze - wo kamen sie her? Ohne dokumentierten Schießbefehl müssen sie eigenverantwortlich gehandelt haben, vielleicht waren es auch Spione der imperialistischen Westmächte, die so die DDR in Verruf bringen sollten.

Man braucht keinen schriftlichen Schießbefehl, nur um zu wissen, dass es ihn gab, denn es ist völlig klar, dass es zur Politik dieses "besseren Deutschlands" gehörte, Menschen zu töten, wenn sie ihre Freiheit erlangen wollten. Dies geschah durch Minen, Selbstschussanlagen und die Grenztruppen. Diese Methoden waren auf die Regierung angewiesen, in den ersten beiden Fällen auf deren Geld und Technik, im Falle der Truppen auf konkrete Anweisungen. Die in den letzten Wochen immer wieder heruntergeleierte Behauptung, ein Schießbefehl hätte gegen DDR-Gesetze verstoßen, ist großer Unsinn. Denn erstens war die DDR alles andere als ein Rechtsstaat und zweitens wurden die Grenzschützen erst nach der Wiedervereinigung wegen ihrer Taten vor Gericht gestellt und nicht im noch bestehenden Arbeiter- und Bauernparadies.

Linke wie Rechte betreiben seit Jahren geschichtlichen Revisionismus. Was den einen ihre Auschwitzlüge ist, ist den anderen ihre menschenfreundliche DDR. Die Holocaustleugner werden in der Öffentlichkeit inzwischen als solche erkannt und von der Mehrheit der Bürger als Lügner, Fälscher und Spinner identifiziert. Das Attribut "Links" sollte die Verklärer der zweiten deutschen Diktatur nicht vor der gleichen Behandlung schützen!

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