Wir sind umgezogen!

Sonntag, 26. August 2007

Schavan spricht

Frau Schavan darf sich zur Zeit verstärkt den Medien präsentieren und mit ihren Ideen hausieren gehen. Denn obwohl in Deutschland trotz Jahrhundertboom noch knapp 3.5 Millionen Menschen in den Arbeitslosenstatistiken auftauchen und man wegen den im Sinne von Statistikpolierung seinerzeit von der Regierung Schröder geänderten Kriterien für die Belegung eines Arbeitssuchenden mit dem Etikett “arbeitssuchend” erwarten darf, daß die Dunkelziffer nicht unbeträchtlich ist, hört man, daß Firmen seit einiger Zeit schon wieder Schwierigkeiten haben, ihren Bedarf an Fachkräften zu decken. Das ist bedauerlich. Am meisten fehlt es in den sogenannten MINT-Fächern. MINT hat nichts mit Lutschbonbons zu tun, sondern wurde - vermutlich von wegen Unoriginalität nunmehr arbeitslosen anglizismusfanatischen Werbefachleuten - als Bezeichnung für denkbar unwürzige Berufe der Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften und Technik gewählt. Also eigentlich für alle Berufe, die man irgendwie ernstnehmen sollte, weil sie offenbar zu schwer für die meisten sind, die in der Schule Mathe schon immer gehaßt haben, aber studieren, weil sie schon immer mal wissen wollten, ob es stimmt, daß man den Rausch einer durchzechten Nacht wirklich am besten in einem Hörsaal bei seichter Dozentenbeschallung ausschläft. Die müssen eindeutig in der Mehrheit sein, denn anders kann man nicht erklären, daß es mehr als genügend JAGS* gibt. Nun könnte man argumentieren, daß eine Nation, die nur technikaverse Schöngeister und geldgeile Ökonomen hervorbringt eine leistungsstarke Industrie einfach nicht verdient hat, sondern sich folgerichtig von Gedichtbänden und Handel ernähren sollte. Aber das kann man als Nichtbrite aus Traditionsgründen wohl schwer ertragen, und deshalb reden jetzt alle ganz aufgeregt durcheinander und behaupten, sie hätten die besten Argumente und Analysen parat. Jetzt also Frau Schavan. Wir erinnern uns: Frau Schavan ist von Hause aus ein JAG, nämlich Theologin, sehr katholisch und zufällig Bundesbildungsministerin. Sie leidet darunter, daß Deutschland zu bildungsföderalistisch ist und sie deshalb ständig - zu Recht - vermutet, daß ihre Position etwa so sinnvoll ist wie eine Klimaanlage in Nordschweden und genauerer Rechtfertigung bedarf. Frau Schavan jedenfalls kennt, obwohl sie nie einen MINT-Studiengang von Innen gesehen hat, ihre Pappenheimer ganz genau.

ZEIT: Sehen Sie auch eine Mitverantwortung der Universitäten für den Ingenieursmangel?
Schavan: In den technischen Fächern haben wir Abbruchquoten von bis zu 35 Prozent. Könnten wir die reduzieren, wäre viel gewonnen. Es soll immer noch die Ansicht geben, dass hohe Abbrecher- oder Durchfallquoten Ausdruck von Qualität seien. Nach dem Motto: Wir prüfen die Hälfte von euch raus, und nur wer übrig bleibt, hat auch einen Studienabschluss verdient. Solch eine Mentalität ist unbrauchbar, wenn man mehr Absolventen anstrebt.

Tja, da haben wir’s. Die Dekane der MINT-Fakultäten sind verdammte Bärbeißer und treiben nur aus Profilierungssucht “bis zu 35%” in den Studienabbruch. Banditen. Sie betreiben Raubbau am Standort Deutschland. Sie weigern sich tatsächlich, 100% aller Studienanfänger durchzulassen. Aber Vorsicht:

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