Wir sind umgezogen!

Montag, 6. August 2007

In memoriam Eike Geisel

Über das angeblich „andere“, „bessere“ Deutschland schrieb Hannah Arendt einmal, es sei „noch durch einen Abgrund von der zivilisierten Welt getrennt“. Es war nicht zuletzt diese Erkenntnis, die den Publizisten Eike Geisel immer wieder antrieb, mit jenem zählebigen Gründungsmythos der Bundesrepublik aufzuräumen und den Erscheinungsformen dieser „contradictio in adjecto“ durch faktengesättigte Polemiken entgegenzutreten. Wo beispielsweise mit reichlich Pomp und Pathos die „Männer des 20. Juli“ als Helden des Widerstands gefeiert wurden – nachdem man sie zuvor lange Zeit als „Verräter“ an der vaterländischen Sache gehandelt hatte – und Heerscharen von Geschichtslehrern den Versuch unternahmen, ihren Schülern die am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler beteiligten Generäle und Offiziere als nachahmenswerte Vorbilder zu empfehlen, befand Geisel anlässlich der Jubelfeiern zum fünfzigsten Jahrestag 1994: „An diesem besonderen Tag wurde man als Jugendlicher regelmäßig mit Gewissenskonflikten von Leuten gelangweilt, die sich endlos damit abgequält hatten, ob sie Hochverrat üben, ihren Eid brechen oder Tyrannenmord begehen dürften. Sie hätten alle umstandslos geputscht, wenn der Führer es ihnen befohlen hätte. Aber leider lag kein Befehl dazu vor. Andererseits hatten sie keine sichtbaren Probleme damit gehabt, halb Europa in Schutt und Asche zu legen und Millionen von Menschen umbringen zu lassen. Sie hatten ein reines Gewissen, weil sie es nie benutzt hatten.“ [...]

WEITERLESEN

Kontakt

  • admin.wmd [at] googlemail.com