Wir sind umgezogen!

Dienstag, 28. August 2007

Hass im Schatten eines falschen Alibis

An der taz gibt es viel auszusetzen und beinahe täglich findet man in ihr etwas, über das es sich zu meckern lohnt. Aber wenn man etwas loben kann, dann sollte man es auch tun. Jan Feddersen schreibt heute über den Rapper Bushido, der dank seines kontroversen Rüpelsounds in die Charts aufstieg. Ganz in der Sprache des deutschen Migranten-Prekariats gehalten, nennt er in seinen Texten jeden, den er doof findet "schwul" und präsentiert sich seinen Fans so als waschechter Ghettoboy. Ob das Ganze nun im Scherz gemeint ist oder, was am wahrscheinlichsten ist, eine geschickte Vermaktungsstrategie darstellt, ist für die Bewertung der Texte vollkommen irrelevant. Wahrscheinlich würde man in Teilen Deutschlands auch mit Texten über brennende Asylantenheime und Dönerbuden bei bestimmten Zielgruppen punkten und gut verdienen können, aber niemand würde solche Inhalte mit Erklärungen über die eigene Herkunft oder der windelweichen Begründung, dass man dem Publikum nur das gebe, was es will, akzeptieren. Auch eine Einladung zu einem "Gegen Rechts"-Konzert würde höchstwahrscheinlich ausbleiben.

Aber bei Rap-Musik macht man da Abstriche, denn in diesem Genre dominieren in Deutschland zur Zeit Migrantenkinder mit Texten über Nutten, Schwule und Opfer. Und man drückt beide Augen zu. Feddersen schreibt:
"Jede Sauerei (Homophobie, Sexismus) kann er [Bushido] sich leisten, weil er durch das Bild vom guten, antirassistisch bedürftigen Migranten geschützt wird.

So haben wir die Ästhetik der Bushidos, diese neue jugendliche Tonlage zu nehmen: das Irgendwie-ausländisch-Sein als Generalpardon für alles. [...] Alle seriösen Zahlen sagen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund weniger unter Gewalt zu leiden haben wie beispielsweise homosexuelle Jugendliche - gerade durch die Neumacker mit dem offenbar inzwischen stubenreinen Bewusstsein vom Hass auf sexuell Andere. Das möchte niemand so recht zur Kenntnis nehmen, weder das Gros der Medien noch die Milieus der Migrationsverwalter."
Der Wille, solche Musik zu ächten ist nicht vorhanden, denn die "Neumacker" bringen ziemlich viel Geld ein, nicht nur die großen Plattenfirmen verdienen gut an ihnen, auch die Klingeltonindustrie und die auf deren Werbeetats angewiesenen Fernsehsender machen mit. Der Migrationshintergrund vieler dieser Musiker wird aber auch als Freifahrtschein für ihre deutschstämmigen Kollegen verwendet, die mit genau den gleichen Texten ihr Geld verdienen. Das alte Alibi der "vielen ausländischen Freunde und Kollegen" funktioniert eben immer.

Ähnlich wie bei der Kritik am Islam oder an Integrationsproblemen einiger Migrantengruppen konterte der sonst so unkorrekte Bushido die Kritik mit einer Portion politisch korrektem Antifaschismus und hielt den protestierenden Verbänden vor, "Kritik an ihm lenke nur von 'Gewalt gegen Ausländer' ab". Warum das im Interesse dieser Gruppen liegen sollte, erklärt er nicht, muss er auch nicht, denn der reflexartige Gebrauch des Images vom "guten, antirassistisch bedürftigen Migranten", lässt Kritiker automatisch als Rassisten dastehen. Sexfantasien über "Schlampen", die für die Rap-Pimps jederzeit zum Gangbang bereit zu stehen haben, Gewaltfantasien über Opfer, die man "boxt", wenn sie einem querkommen oder auch kindliche Fantasien über Luxusorgien mit Schampus und hundert Euroscheinen, die durch Ventilatoren auf die glitzernd aufgemotzten Ghettoprolls gepustet werden, scheinen nicht auszureichen, damit jemand als völlig unfähig zu echter Kritik angesehen wird.

Der Artikel Feddersens ist enthält eigentlich nichts neues, lediglich die Tatsache, dass er in der taz steht, ist etwas überraschend. Denn gerade dieses Blatt steht sonst in der ersten Reihe derer, die mit dem völlig unpassenden Vorwurf des Rassismus auf Kritik an bestimmten Umständen in Migrantenmilieus losgeht. Vielleicht kann Jan Feddersens Text der taz-Redaktion endlich mal klar machen, worin der Unterschied zwischen Rassismus und Kritik besteht.

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