Wir sind umgezogen!

Sonntag, 5. August 2007

Deutschland und die Taliban

Die deutsche Politik tut sich schwer, wenn es darum geht Maßstäbe im Auge zu behalten. Besonders dann, wenn es sich um bestimmte fremde Kulturen handelt, werden viele der angeblichen Vertreter von Freiheit und Demokratie zu peinlichen Duckmäusern. Dann wird so sehr relativiert, das diese elementaren Werte nichts mehr zählen und hinter Alibi-Werte zurücktreten müssen. Am Beispiel Afghanistan wird dieses unwürdige Verhalten zur Zeit einmal mehr durchexerziert. Von den Nachfolgern der Regierungspartei der letzten deutschen Diktatur erwartet man nichts anderes, aber dass SPD und Grüne, also die Kräfte, die damals die Soldaten nach Afghanistan geschickt haben, die Afghanen nun aus wahltaktischen Gründen im Stich lassen wollen, das ist außerordentlich schäbig.

Die Schlacht gegen das Afghanistan-Engagement läuft jetzt schon eine ganze Weile. Die SPD-Linken, die fünfte Kolonne der Kommunisten bei der Sozialdemokraten, verstecken ihre Abzugsgelüste noch geschickt hinter der Ablehnung der Mission "Enduring Freedom", also dem Einsatz, der alle anderen Missionen, seien sie nun militärisch oder zivil, erst ermöglicht. Es ist dabei bezeichnend, dass ausgerechnet derjenige, der so einen durchsichtigen Quatsch fordert, als "Außenexperte" seiner Partei geführt wird. Dieser Experte meint, dass die unter "EF" laufenden Einsätze nicht dem Frieden dienen, da es bei ihnen immer wieder zu zivilen Opfern kommt und das provoziere die Taliban erst recht. Diese Theorie ist nun wirklich nichts neues, schließlich ist es weithin bekannt, dass die Taliban vor dem Einmarsch des Westens ein paar ganz friedliche Naturburschen waren und sich lediglich durch ihre Bärte und Hüte von einem durchschnittlichen deutschen Friedensfreund und Mülltrenner unterschieden.

Apropos Bart: Parteiboss Beck muss ähnlicher Meinung gewesen sein, schließlich versuchte er noch vor kurzem, die Taliban der Welt als Verhandlungspartner zu verkaufen. Hätten die islamischen Steinzeitler zu dieser Zeit so viele westliche Geiseln wie heute in ihren Fingern gehabt und nicht nur die üblichen und scheinbar weniger wichtigen 30 Millionen Afghanen, hätte Beck das auf keinen Fall von sich gegeben. Aber haben sich die Taliban verändert, seit Beck ihnen Verhandlungsbereitschaft unterstellte? Natürlich nicht, die Entführer und Mörder von heute sind die putzigen "Moderaten" von gestern. Aber wenn die Terrorisierten plötzlich zwei Typen, die man in jeder Eckkneipe treffen könnte, und eine Gruppe sympathischer Koreaner, die irgendwie an die letzten Messegäste erinnern, sind und es so ganz deutlich wird, dass die Taliban eben nicht nur ihresgleichen terrorisieren, dann erkennt man, dass die Herren Gotteskrieger auch unsereins an die Gurgel wollen.

Kein Wunder, dass der deutsche Michel genauso wie ein Teil der SPD aus dieser Tatsache falsche Schlüsse zieht. Nach dem politischen und medialen Kuschelkurs, der die Taliban in "Terroristen und Kriminelle" einteilte und so verschleierte, dass auch Lösegeld, mit dem Sprengstoff und Munition erworben werden kann, als eine politische Forderung betrachtet werden sollte, war klar, dass deutsche Geiseln immer von den "guten" Bösewichtern eingefangen werden. Also entweder von den besagten "Kriminellen" oder irgendwelchen "Stammeskriegern". Erstere wurden als kauzige Kleinganoven präsentiert und letztere als moderne Karl-May-Figuren und jeder Experte schwärmte der deutschen Öffentlichkeit vor, wie sehr diese Herrschaften doch die traditionelle Gastfreundschaft hochhalten. Daher passte es auch so gar nicht ins Bild, als der erste der beiden deutschen Ingenieure plötzlich tot war. Brandeilig ließ das Außenamt verkünden, dass der Mann lediglich den Strapazen der Entführung erlegen sei, Nachrichtenagenturen lieferten quasi als Bestätigung Informationen über Diabetes und Herzleiden des Opfers nach. Selbst dann, als herauskam, dass der arme Mann von Kugeln durchsiebt worden war, geisterte noch die Mär von postumen Schießübungen der Geiselnehmer durch den Informationsdschungel. Mit Händen und Füßen klammerte man sich an die immer wieder betonte Legende, dass die Deutschen aus irgendwelchen Gründen bei den islamischen Fundis einen Stein im Brett haben. Ein anständiger Deutscher gehört eben nicht zum unablässig als dekadent und verjudet beschriebenen Westen, das sind die Amerikaner, Briten und Kanadier. Da wird das Gehirn ausgeschaltet und man denkt selbst bei einer von Kugeln zerfetzten Leiche sofort an die Todesursache Herzinfarkt.

Deutschland muss es endlich einsehen: Es gibt keinen deutschen Sonderweg, wir sind nicht der Kara ben Nemsi unter den in Afghanistan engagierten Nationen. Für einen ungebildeten Gotteskrieger aus dem Hindukusch sind wir der Feind, denn wir gehören zum Westen und widersprechen so mit jeder Faser unserer Existenz seinem kruden Bild vom demokratiefreien weltweiten Gottestaat. Mullah Dadullahs Nachfolger sind eben keine heroischen Hindukusch-Indianer, die lediglich ihre Jagdgründe verteidigen, um abends romantisch am Lagerfeuer sitzen zu können, auch wenn Peter Scholl-Latour erstaunlich erfolgreich bei der Vermittlung dieses Trugschlusses war. Als sie unter der Knute der Taliban lebten, hat man die Afghanen jahrelang im Stich gelassen und nun, lausige sechs Jahre nach der Befreiung, kommen ein paar deutsche Gutmenschen des Weges und erzählen ihnen erst, dass die Taliban doch gar nicht so übel sind, nur um sofort den Rückzug der deutschen Truppen in Aussicht zu stellen, wenn sich das schmerzhafte Gegenteil dieser Wahnvorstellung gezeigt hat.

Diese jämmerliche Vorstellung von Medien und Politik kombiniert mit der immer wieder reibungslos funktionierende Überweisung von Lösegeldern macht die deutschen Verantwortlichen endgültig unmöglich und spielt den Taliban finanziell wie propagandistisch in die Hände. Im Lauf der Geschichte standen deutsche Soldaten oft genug auf der falschen Seite und es hat lange gedauert, bis sie in den Reihen der westlichen Demokratien ankamen. Und kaum sind sie dort angekommen, sollen sie auf Kosten der Afghanen und im Namen der penetrant faschistophilen Friedensbewegung wieder nach Hause. Hand in Hand schüren Terroristen und Gutmenschen die Stimmung für den Rückzug und sie scheinen tatsächlich eine Mehrheit zustande zu bringen.

Während man also bereit ist, sich für CO2-Quoten beide Beine auszureißen, will man den Afghanen nicht einmal die Freiheit von der Unterdrückung durch die Taliban gönnen. Wenn moralische Maßstäbe in Politik und Bevölkerung eines Landes auf diese Weise verteilt sind, dann läuft etwas gewaltig schief, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

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