Wir sind umgezogen!

Samstag, 11. August 2007

Der Staat und der Streik

Der Arbeitskampf bei der Bahn hat etwas Bizarres, findet ihr nicht? Sinn und Zweck eines Streiks ist doch eigentlich, gewisse Forderungen durch Aktionen durchzusetzen, die dem Arbeitgeber deutlich mehr schaden als den Steikendenden. Dadurch soll, wie Karsten Polke-Majewski gestern in der Zeit richtig festgestellt hat, ein Machtdefizit der Gewerkschaften ausgeglichen werden. Was diesen Streik nun allerdings besonders macht ist, daß ein Streik einiger Hundert GDL-Mitglieder zuerst der Öffentlichkeit, dann ihnen selbst und dann erst dem Staatsunternehmen Bahn schaden würde. In dieser Reihenfolge. In diesem Sinne finde ich mehrere Aspekte völlig unverständlich:

  1. Warum neigen so viele Menschen im Angesicht der Streikdrohung nunmehr zu der Ansicht, die Bahn dürfe nicht privatisiert werden? Nicht wenige scheinen tatsächlich den Staat als Heilsbringer zu empfinden, der ihnen unliebsame Aspekte des Alltags vom Leib hält. Das ist natürlich in diesem wie auch in allen anderen Fällen eine Fehlannahme, weil der einzige Grund für die Macht der Gewerkschaft GDL darin liegt, daß die Bahn als Inhaber eines Quasistaatsmonopols keine wirkliche Konkurrenz zu fürchten hat. Nur das befähigt sie, Millionen von Zugfahrern quasi als Geiseln zu nehmen und den Bahnvorstand damit zu erpressen.
  2. Wie kommt die GDL darauf, daß es sinnvoll sein könnte, 30% mehr Lohn zu fordern? Und das mit einer derartig dämlichen Begründung, man hätte schließlich eine Menge Verantwortung zu tragen? Ist denen nicht klar, daß eine Ausweichreaktion stattfinden wird, die zur Folge hat, daß sie in Zukunft deutlich weniger Verantwortung tragen werden? Dann nämlich, wenn Züge vorzugsweise von einem amerikanischen oder asiatischen Mikrochip gesteuert werden und die einzige Qualifikation des Zugführers eventuell noch darin besteht, einen roten Knopf zu finden, der im Falle eines Falles eine Vollbremsung einleitet? Maximal? Dann heißt es bestimmt wieder, die Ausländer/der Neoliberalismus/die Zukunft nimmt uns die Arbeitsplätze weg und das Geschrei ist groß. Wie wollen die dann die nächste Gehaltserhöhung begründen? Wieso scheinen diese Gewerkschaften nicht lernfähig zu sein?
  3. Eine starke Motivation für dieses Himmelfahrtskommando der GDL könnte sein, daß ihr Chef nichts mehr zu verlieren hat, denn er steht kurz vor der Rente. Im schlimmsten Fall geht er halt und läßt seine Leute im Regen stehen. Wenn dagegen alles nach Plan läuft, steigen die Bezüge der Gewerkschaftsmitglieder kräftig, damit auch ihre Gewerkschaftsbeiträge und die Bezüge des Vorstands. Super. Dann kann der Vorsitzende vielleicht noch eine stattliche Pensionserhöhung mitnehmen sich dann verabschieden. Aber warum erwartet er dafür Applaus?
Trotz dieser ganzen Unklarheiten bin ich definitiv für das Recht auf Streik. Arbeitgeberpräsident Hund ist ein staatsgläubiges Weichei, wenn ....

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