Wir sind umgezogen!

Montag, 23. Juli 2007

Zensur wie im Absolutismus

Dem spanischen König Juan-Carlos verdanken die Spanier eine ganze Menge. Der Mann hat sich nach Frankos Ende nicht nur darum gekümmert, dass Spanien eine Demokratie wird, er hat diese auch verteidigt, als rechtsradikale Militärs 1981 versuchten, sich wieder an die Macht zu putschen. Nicht viele Monarchen können von sich behaupten, ihre Krone auch verdient zu haben.

Trotz der erfolgreichen Demokratisierung ließ man dem spanischen Zweig des Bourbonen-Clans doch einige Rechte, die so gar nicht in eine freie Gesellschaft passen. So existiert der Straftatbestand der Verunglimpfung der Königsfamilie und kann mit bis zu zwei Jahren Knast bestraft werden. Ein eifriges Duo bestehend aus einem Generalstaatsanwalt und einem Richter verbaten nun die abgebildete Ausgabe des spanischen Satiremagazins "El Jueves". Wie hier dargestellt, zeigte das Titelblatt den Thronfolger und seine Gemahlin (Prinz und Prinzessin von Asturien) beim Liebesakt. Das eigentlich Thema ist aber eine sogenannte Kinderprämie, die für jedes Neugeborene eine Zahlung von 2500 Euro vorsieht. In der Karikatur freut sich Felipe genau darüber und sagt zu seiner Liebsten: "Stell Dir vor, Du wirst schwanger. Es wäre das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas getan hätte, das Arbeit ähnelt!".

Und das geht natürlich nicht! Ein zukünftiger Herrscher von Gottes Gnaden darf nicht verunglimpft werden. Da wird seine Exzellenz der Generalstaatsanwalt aktiv, der wahrscheinlich nichts Wichtigeres zu tun hat, als sich um unanständige Zeichnungen zu kümmern. Diese Form der Meinungsfreiheit hat Kenan Kolat vor einiger Zeit wunderbar erklärt: "Sicher muss [man] alles sagen dürfen können. Aber [man] muss aufpassen was [man] sagt."

Auch die spanische Regierung hält nichts von dem Verbot, unter anderem deswegen, weil das Bildchen wie im Fall Problembeck gegen die Titanic längst für jedermann im Internet zu sehen ist. Man kann sich das komplette Magazin herunterladen und es gibt bereits etliche Karikaturen zu der Karikatur.

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