Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 11. Juli 2007

Wenn der Wunsch nach Vergeltung unerfüllbar bleibt

“Wer die Transformation der Widerstandsbewegung von einer Rebellenorganisation zu einer politischen Partei begrüßt hatte, musste sich fragen lassen, ob er nicht einem Phantom hinterhergelaufen war. Hatten die islamischen Nationalreligiösen vielleicht im Siegestaumel ihr wahres Gesicht gezeigt?” meint Friedensforscherin Margret Johannsen in “Internationale Politik” über die Hamas. Zwar kommt Frau Johannsen zu dem Ergebnis, dass das “Experiment einer zur Integration in die Politik bereiten Variante des politischen Islam” als gescheitert gelten könne. Aber die Ursache dafür sieht sie sie nicht im Wesen der Hamas, sondern dort, wohin Freunde der Äquidistanz immer wieder aufs Neue hinzugelangen scheinen:
Der Gründer des Gaza Mental Health Programme Eyad Sarraj erklärt die Gewaltexzesse mit der Brutalisierung durch 40 Jahre Besatzung - traumatische Gewalterfahrungen nährten beim Opfer den Wunsch nach Rache und führten zu einer unbewussten Identifikation mit dem Peiniger. In den Untersuchungen des Psychiaters Khalid Dahlan, der im Gaza-Streifen ein Gesundheitsprojekt für Kinder leitet, findet diese These Bestätigung. Traumatisierte Jungen identifizieren sich nicht allein mit palästinensischen “Märtyrern”, sondern mitunter auch mit dem “Feind”, weil er stark ist und Apache-Hubschrauber hat. Hinzu kommt, so Sarraj, dass die Palästinenser besiegt wurden. Wenn der Wunsch nach Vergeltung unerfüllbar bleibt, weil der Feind unerreichbar ist, suchen die Besiegten nach anderen, schwächeren Feinden, die sie besiegen können und finden sie unter ihren Rivalen - etwa bei der Fatah oder der Hamas oder in einem konkurrierenden Clan.
Dass diese Art der Identifikation stattfindet, will ich nicht bestreiten. Aber dass sie einem Mechanismus entspringt, für das einzig die Besatzung ursächlich ist, will nicht so recht einleuchten, hat doch die Fatah den Rückzug israelischer Truppen und jüdischer Zivilisten aus dem Gazastreifen als ihren Sieg über Israel verkauft. Das gegenwärtige Verhalten eines Grossteils der Bevölkerung dürfte der demographische Faktor wohl besser erklären. Frau Johannsen erwähnt diese Möglichkeit allerdings mit keinem Wort.

Dafür tischt sie den alten Mythos auf, dass die Hamas sich bereit zeige, einen künftigen palästinensischen Staat auf die 1967 besetzten Gebiete territorial begrenzen zu wollen. (Weiter...)

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