Wir sind umgezogen!

Dienstag, 10. Juli 2007

Neues aus der Hamburger Wolfsschanze

New York - Anfang 2005 sollte US-Geheimdienstmitarbeitern zufolge eine geheime Militäroperation stattfinden, deren Ziel ein Treffen hochrangiger al-Qaida-Mitglieder in den Bergen Pakistans war. Der Geheimdienst vermutete bei diesem Treffen auch den stellvertretenden al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri, wie die "New York Times" gestern meldete. Allerdings sei der Einsatz, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstmitarbeiter weiter, von dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in letzter Minute abgebrochen worden.

Rumsfeld sei der Einsatz zu riskant für die eigenen Soldaten gewesen, zitierte das Blatt Mitarbeiter der Geheimdienste und der Militär-Spezialkräfte. Zu diesem Zeitpunkt waren für den Einsatz laut "New York Times" schon statt einiger weniger Soldaten mehrere hundert vorgesehen - darunter Feldjäger, Spezialkräfte und CIA-Agenten. Rumsfeld habe deshalb befürchtet, dass die Operation das Verhältnis zu Pakistan belasten könnte. Wahrscheinlich hätte die Regierung in Islamabad nicht ihre Zustimmung zu der umfangreichen Operation gegeben. Dennoch wäre der mögliche Erfolg das Risiko Wert gewesen, sagte ein hochrangiger Ex-Agent der Zeitung zufolge.

Soso, da hat der US-Verteidigungsminister also getan, was Verteidigungsminister und andere militärische Befehlshaber immer wieder mal machen, nämlich eine bereits angelaufene Militäroperation aufgrund zu hoher Risiken und nach Abwägung verschiedener - nicht immer zwingend militärischer - Faktoren kurz vor dem ersten Feindkontakt abgebrochen. Also eigentlich eine Nachricht mit hohem Sack-Reis-in-China-Faktor. Wäre Rummy der einzige in seiner Branche, der grundsätzlich auf die Möglichkeit verzichten würde, eine einmal gestartete Aktion bei Bedarf zu stoppen, wäre das ja vielleicht tatsächlich eine Meldung wert gewesen, aber so?

Ok, auch dann hätte man sich natürlich über die verpaßte Gelegenheit, ein paar Terroristen zu töten, ärgern dürfen, aber darum ging es gar nicht. Die für den Artikel gewählte Titelzeile beweist nämlich, daß die mangelnde militärische Sachkenntnis der Autoren offenbar nur noch von ihrer ressentimentverseuchten Bosheit übertroffen wird. Denn der SPIEGEL titelt nicht "Schwein gehabt, Sawahiri!", "Pentagon bricht Aktion ab" oder "US-Verteidigungsminister macht seinen Job", sondern "Rumsfeld vermasselt Schlag gegen al-Qaida". Man stelle sich dabei nur spaßeshalber mal die heuchlerische Entrüstung über die Verletzung der pakistanischen Souveränitätsrechte gerade im SPIEGEL vor, wenn die Aktion denn tatsächlich durchgeführt worden wäre.

Ganz zu schweigen von der ebenfalls nicht auszuschließenden Möglichkeit, daß das ganze tatsächlich ein Fehlschlag geworden wäre, bei dem ein Dutzend US-Soldaten ums Leben gekommen wären, oder - noch schlimmer - daß Sawahiri kurz vorher ein Kebab essen gegangen wäre und bei der Kommandoaktion statt ihm nur seine Mätressen sowie deren Kinder ums Leben gekommen wären. Dann hätte es das volle Programm gegeben, mit weltweiter Empörungskampagne, erbostem Tagesthemen-Kommentar und einem außerst besorgten UNO-Generalsekretär. Und der SPIEGEL hätte die Frage gestellt, wieso der wie immer viel zu optimistische Rumsfeld die Risiken mal wieder so dilettantisch unterschätzt hat.

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