Wir sind umgezogen!

Dienstag, 3. Juli 2007

Kurt Beck spielt Außenpolitiker

Eigentlich ist Kurt Beck in der Bundespolitik schon längst zur Lame Duck geworden und das, ohne jemals ein bundespolitisches Amt bekleidet zu haben. Für den politischen Glamour sorgen die Kanzlerin und Parteifreund Steinmeier, die Sozialkrakeeler spielen Lafontaine und seine PDS und die eigene Partei kümmert sich vor allem um sich selber und die Konkurrenz von Links. Da denkt sich der gemütliche Schlagerfan Beck, er könne wie damals sein Freund Gerd auf die populistische Karte setzen und nimmt sich der typischen Stammtischthemen an.


Zunächst kümmerte er sich um den bösen "Neoliberalismus", einem typischen Kampfbegriff, der sich im Laufe der Zeit zum Feind der Systemkritiker und Möchtegern-Robin-Hoods aus allen Lagern gemausert hat. Aber Kurt scheiterte irgendwie und wurde von niemandem so richtig ernst genommen. Wenn Gerds Sozialtaktik aus dem Wahlkampf 2005 nicht zieht, dann geht man einfach drei weitere Jahre zurück und entdeckt ein anderes Feindbild des aufrechten Durchschnittsdeutschen: Den Ami. Kulturlos und kriegslüstern sitzt er hinter dem Atlantik und wartet nur darauf, dass ihn deutsche Sozialdemokraten aus Gründen des Wahlkampfes zurechtweisen.


Heute war es dann auch wieder soweit und Beck monierte die amerikanischen Rüstungsausgaben, die er "nur als Wahnsinn bezeichnen" könne und man "müsse fragen, ob diese Mittel - anders eingesetzt - nicht wesentlich mehr zur Sicherheit beitragen könnten". Was fällt der Regierung in Washington auch ein? Warum hält sie sich nicht endlich an das Parteiprogramm der SPD und konsultiert deren Vorsitzenden, wenn es darum geht, das Budget aufzustellen? Vielleicht ärgert sich Beck auch darüber, dass Deutschland jahrzehntelang nur in Freiheit und Frieden leben konnte, weil die Yankees ihre Rüstungsausgaben nicht reduziert haben und es damit auch noch schafften, die Sowjetunion und ihren deutschen Satelliten DDR zu ruinieren?


Auch mit dem Raketenschild, den die Amerikaner mit Polen und Tschechien aufbauen wollen, ist der SPD-Chef nicht zufrieden, denn "eine Frage, die die europäische Sicherheit mit entscheidet, kann nicht über die Köpfe Europas hinweg entschieden werden". Dass der Abwehrschirm eines Tages über die Sicherheit der Europäer entscheiden könnte, stimmt zwar, aber warum sollte man auf den Schirm verzichten, der für die Deutschen kostenlos in zwei Nachbarstaaten stationiert werden soll? Weil Gerds Freund in Moskau meint, die Einflusszonen von Jalta würden immer noch gelten? Und seit wann sind die Regierungen Polens und Tschechiens keine "Köpfe Europas"? Der Sicherheitsexperte Beck kann es wahrscheinlich einfach nicht leiden, dass die meisten Europäer so hingebungsvoll von einem windelweichen Dialog mit dem Iran sprechen, während die USA und einige europäische Staaten ganz einfach handeln. Zum Abschluss erklärte Beck den USA noch schnell, wie man gegen "menschenverachtende" Terroristen Krieg führt, nämlich nicht "mit Hilfe der Folter", womit er Guantanamo meint, denn damit habe man "diesen Kampf schon verloren".


Man kann also sagen, dass der unbekannte deutsche SPD-Chef ziemlich gut weiß, was man alles nicht darf, nicht kann und nicht machen sollte, sogar bei der Finanzplanung der amerikanischen Bundesregierung möchte Beck konsultiert werden. Beim Thema Terrorismus setzt er sich für die Schließung Guantanamos ein, ohne mitzuteilen, wohin man die Gefangenen denn bringen sollte - in der Pfalz will er die Typen bestimmt nicht haben. Und die Sicherheit Europas und der USA will er dem russischen Präsidenten und besten Freund seines Vorvorvorgängers als Parteivorsitzender opfern, nur weil der meint, in seiner lupenreinen Demokratie auf nationalistische Töne setzen zu müssen. Mit so viel geballter Kompetenz empfiehlt sich Kurt Beck automatisch für ein wichtiges Amt, in dem er endlich Verantwortung für dieses Land übernehmen kann: Pop-Beauftragter!

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