Wir sind umgezogen!

Donnerstag, 5. Juli 2007

Ein weiterer Experte

Die taz hat einen Experten zu den Themen Naher Osten, Terror und Islam. Sei Name ist Stephan Rosiny und er arbeitet am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin. Das klingt hochwichtig und ziemlich professionell, ist aber auch nur ein Job wie jeder andere. Und genauso wie es passieren kann, dass jemand, der kein Rechtsempfinden hat Polizist oder ein mieser Autofahrer Trucker wird, kann es passieren, dass jemand, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, als großer Experte auftritt. Die taz bietet ihm dafür regelmäßig Platz, den er nutzt, um der Leserschaft zum Beispiel den guten Willen irgendwelcher Verrückter und die durch und durch schlechten Absichten der Israelis zu erklären.

Heute präsentiert er sich als glühender Verteidiger der Hamas, die nach seinem Verständnis zu Unrecht als Terrororganisation bezeichnet wird. Bei der Begründung dieser Ansicht stützt er sich wie viele Verteidiger totalitärer Gruppierungen und Systeme auf die relativistische Definitionsfrage. Es gäbe "zu viele widersprüchliche Definitionen" meint Rosiny und ergänzt diese Huldigung der eigenen Unwissenheit mit dem ausgelutschten Spruch "des einen Terrorist ist des anderen Widerstandskämpfer". Der Orientalist hält sich auch nicht damit auf einmal zu sagen, wer der "eine" und wer der "andere" ist - ein Widerstandskämpfer gegen eine Diktatur kann eben nicht mit einem Terroristen gleichgesetzt werden, der eine freie Demokratie und ihre Bürger angreift. Demokratie und Unterdrückung sind eben keine relativen Begriffe. Interessant, dass man das jemandem sagen muss, der ständig in einem Blatt präsent ist, das sich besonders durch inszenierten Antifaschismus und aufgesetztes "nie wieder"-Getue hervortut.

Rosiny hakt die antisemitische Charta der Hamas kurz als "inakzeptabel" ab und verweist auf das Wahlprogramm von 2003, das er viel "gemäßigter" findet und außerdem solle sich Israel nicht so aufregen, schließlich hätten die Islamisten "bereits mehrfach einseitige Waffenstillstände ausgerufen" und den Israelis "einen 50-jährigen Waffenstillstand angeboten". Die Selbstmordattentätervermittlung Hamas stellt für ihn außerdem eine "Ordnungsmacht" dar, ohne die dem Gazastreifen "eine gefährliche Anarchisierung" drohe. Auf diese Äußerungen stützt sich übrigens meine Vermutung, dass Rosiny erst zu diesem Interviewtermin aus einem monatelangen Koma erwacht ist und keine Ahnung hat, was ein Waffenstillstand mit der Hamas wert ist und wie gut die Hamas selber darin ist, "Anarchisierungen" voranzutreiben. Aber nein, laut Rosiny wirkt gerade die Hamas einer Radikalisierung entgegen, mit "ihren Sicherheitskräften, sozialen Einrichtungen und ihrer Moralökonomie". Ob die Kassam-Brigaden nun Sicheitskräfte, Streetworker oder ehrenamtliche Moralökonomen sind, teilt der Fachmann dem Leser leider nicht mit.

Stephan Rosiny hat in dem Interview klargemacht, dass für ihn die Hamas eine Art islamisches Hilfswerk für die sozial Schwachen darstellt. An ihrem Unglück sind die Israelis selber Schuld, warum lassen sie sich auch nicht auf Geschäfte mit den Leuten ein, die ihre Busse und Cafés gesprengt haben? Denn eigentlich geht es nur um "um eine Anerkennung von Israel und Palästina". Und weil die Israelis keine Lust haben mit der Hamas zu reden, leidet die an einem furchtbaren ADS und muss zwangsläufig von jüdischen Weltverschwörungen reden und die ein oder andere Rakete nach Sderot schicken. Das alles hat der Mann in seinem muffigen Institut herausgefunden und er meint, dass er noch etwas kann: Dumme Israelis von den klugen unterscheiden! Und wen benennt er gleich als "klugen Israeli"? Natürlich, Avi Primor! Und wenn Rosiny in dieser Disziplin schon so grandios scheitert, sollte jeder wissen, wie man seine Fähigkeiten in seinem eigentlich Fachgebiet einzuschätzen hat.

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