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Samstag, 14. Juli 2007

Die Unersättlichen

Es gehört nicht nur hierzulande zu den sorgsam gepflegten Mythen, dass der so genannte Nahostkonflikt sich schon lösen lasse, wenn Israel den Palästinensern nur endlich einen eigenen Staat gewährte, statt seine Besatzungspolitik fortzusetzen. Zudem, so heißt es, könne mit einem solchen Schritt auch den Ambitionen der Islamisten in anderen Ländern Einhalt geboten werden. Nichts, wirklich gar nichts kann diesen Glauben erschüttern; vielmehr wird alles, was rund um den jüdischen Staat geschieht – vom Selbstmordattentat über den Libanonkrieg und die Vernichtungsdrohungen durch die Mullahs bis zu den Anschlägen in Europa –, auf dessen Vorgehen, wo nicht gleich auf seine schiere Existenz zurückgeführt. Ob es nun Politikwissenschaftler sind, der Leiter des Deutschen Orient-Instituts, der Präsident des Europaparlaments oder deutsche Bischöfe: Kaum jemand lässt die Gelegenheit aus, dem als „Israelkritik“ verbrämten Antizionismus Geltung zu verschaffen und den jüdischen Staat zu geißeln, nicht selten zudem mit dem expliziten Hinweis, die Juden müssten seit Auschwitz doch wissen, wie schlimm Unterdrückung ist. Yaacov Lozowick hingegen hat in seinem Buch Israels Existenzkampf prägnant zusammengefasst, warum die Forderung „Land für Frieden“ obsolet ist:

„Seit 1967 übte Israel die Herrschaft über einen großen Teil der palästinensischen Bevölkerung aus, und sein Verhalten kann in vieler Hinsicht kritisiert werden. Dennoch könnte nur ein Narr behaupten, dass sich die Palästinenser in der umgekehrten Situation mit den Maßnahmen, wie sie die Israelis getroffen haben, zufrieden geben würden. Sollten die Palästinenser jemals Herrschaft über die Juden erlangen, wird Palästina ebenso
judenrein werden, wie es der größte Teil Europas heute ist: eine kleine Gemeinde hier und dort und Gespenster überall. Um es so deutlich wie möglich zu sagen: Israel blockiert lediglich die nationalen Ambitionen der Palästinenser (beziehungsweise hat das früher getan), die Palästinenser hingegen bedrohen die nackte Existenz der Juden.“

In einem Beitrag für das Weblog der Jerusalem Post analysiert David A. Harris, der Direktor des American Jewish Committee (AJC), darüber hinaus, dass ein Ende des israelisch-palästinensischen Konflikts längst nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Djihadismus wäre: „Es mag tröstlich sein, zu glauben, alles werde gut, wenn nur das ‚nervtötende’ Israel endlich Frieden mit den Palästinensern schlösse (als wäre genau das nicht seit Jahren Israels Ziel). Aber es wird nicht helfen, Druck auf Israel auszuüben, um den Appetit dieser verbissenen Kräfte zu zügeln; es würde vielmehr ihren Hunger nur vergrößern.“ Die Europäer müssten daher, so Harris, schon im eigenen Interesse den jüdischen Staat unterstützen; das hätten die jüngsten Ereignisse erneut deutlich gemacht. Nun sollte der Support Israels ganz gewiss nicht an diese Voraussetzung geknüpft sein, denn ihm im Kampf gegen seine antisemitischen Feinde jede nur erdenkliche Hilfe zu gewähren, müsste sich eigentlich von selbst verstehen. Dennoch ist es bezeichnend, dass man in Deutschland und Europa noch nicht einmal zu der Einsicht fähig ist, dass die Vernichtung Israels für die Gotteskrieger erst der Auftakt wäre. Lizas Welt hat Harris’ Beitrag ins Deutsche übersetzt. [...]

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