Wir sind umgezogen!

Dienstag, 17. Juli 2007

Caren moderiert mit den Augen

Eigentlich gehört der Begriff ja zu den Unwörtern, die man in Texten nicht mehr benutzen sollte, weil man sie so ausgelutscht hat, dass sie zu einer Farce verkommen sind. Aber gerade dadurch passt das Wörtchen "Sommerloch" so gut, wenn man die aktuellen Nachrichten querliest. Der Sinn des Wortes muss aber überdacht werden, denn es ist nicht die Welt, die im Sommer einfach keine Nachrichten hervorbringt, es sind die Journalisten und die Redaktionen, die in den Hirnen der Leser den Wunsch nach einer gähnenden Leere vermuten. Offenbar ist das Sommerloch zu einem institutionalisiertem Ritual geworden, das eingehalten werden will, weshalb man der durch die Hitze gelähmten Leserschaft keine all zu schwere Kost zumutet und dafür sorgt, dass seichte Nebensächlichkeiten als Top-Nachrichten verkauft werden.

Der Wirbel um die Neue bei den Tagesthemen lässt sich eigentlich nicht anders erklären. Denn die Aufgabe eine Nachrichtensendung, die vor allem aus redaktionellen Beiträgen und einem von jemand anderem vorgetragenen Nachrichtenüberblick besteht, zu präsentieren, kann von alleine nicht so einen Hype auslösen. Dass das der ARD gerade recht kommt, ist klar, so viel kostenlose PR kann sich niemand entgehen lassen. Aber wieso machen alle mit und behandeln Frau Miosgas ersten Auftritt unter dem Tagesthemen-Logo wie ein politisches Ereignis? Es mag sich ja um eine sympathische und hübsche Frau handeln, aber mal im Ernst: Viel wird ihr nicht abverlangt und ändern wird sich an der Sendung auch nicht viel.

Und weil der letzte Punkt so sehr zutrifft, ist das Hauptthema all der Artikel über Miosgas erste Sendung im neuen Job auch ihr Augenklimpern. Hat sie ihre hochgezogene Augenbraue von der Vorgängerin abgekuckt? Wirkte sie dadurch zu spöttisch? Ist ihr eines Auge wirklich größer als das andere?

Weder wusste ich, dass es zu Anne Wills Markenzeichen gehörte, ihre Augebraue zu heben, noch habe ich bemerkt, dass Miosga ihre Augen so virtuos in ihre Moderation einbrachte, wie es die Damen und Herren von der Presse gesehen haben wollen. Ihr erstes Interview führte die Neue mit dem Neuen bei Airbus und Spiegel Online bemerkt anerkennend, dass der sich tatsächlich "mehrere hartnäckige Nachfragen gefallen lassen" musste. Ein solcher Satz spricht Bände über die journalistische Qualität der Öffentlichrechtlichen. Wenn die Unfähigkeit Christiansens, ein Interview zu führen, inzwischen zum Maßstab geworden ist und "mehrere" Nachfragen, die wenigstens ein paar Textbausteine, die dem Interviewten beim Briefing durch den Presserefenrenten in den Mund gelegt wurden, durcheinander brachten, lobend erwähnt werden müssen, dann sind die Tagesthemen nicht mehr zu retten.

Eigentlich ist es nicht neu, dass die Medien sich besonders gerne mit sich selber beschäftigen, aber Abhandlungen über das Augenspiel der Kollegen sind schon etwas Besonderes.

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