Wir sind umgezogen!

Donnerstag, 28. Juni 2007

Die Kurnazianer

Wann immer hierzulande das Gespräch auf das Gefangenenlager Guantánamo kommt, schlägt die Stunde der Bescheidwisser, und davon gibt es bekanntlich eine ganze Menge. „Auschwitz!“ trauen sich (noch) nur wenige laut zu rufen, aber dass es sich jedenfalls um ein „Konzentrationslager“ handelt, darin sind sich viele Deutsche – die es qua Urheberrecht schließlich wissen müssen – mit Reinhard Mey, der Friedensbewegung und dem Online-Lexikon Wikipedia einig. Guantánamo – das wird als Synonym für vollendete Rechtlosigkeit, Willkür, Folter und Mord gehandelt; Guantánamo – das erscheint als Inbegriff für „das erste weltweite Gefängnis eines Imperiums, das die Weltherrschaft anstrebt“, wie es bei amnesty international heißt. Da man den USA in projektiver Umkehrung eigener Allmachtsfantasien schlichtweg alles zutraut, werden Widersprüche und abweichende Stellungnahmen entweder gar nicht erst zur Kenntnis genommen oder schlicht als Propaganda abgetan. Dafür stürzt man sich umso gieriger auf ehemalige Guantánamo-Häftlinge, deren Erzählungen in der Regel nicht nur nicht geprüft, sondern vielmehr als Tatsachenberichte aus- und deshalb oft genug gleich im Indikativ wiedergegeben werden. Auf diese Weise lässt sich auch das lästige Problem umschiffen, dass die Gefangenen in Guantánamo unter dem Verdacht stehen, islamischen Terrororganisationen anzugehören oder zumindest enge Verbindungen zu diesen zu unterhalten: Wenn ein Ex-Häftling versichert, er habe mit Al-Qaida oder anderen Mordbanden nie etwas zu tun gehabt, wird ihm das nur allzu bereitwillig geglaubt – schließlich eignen sich solche Beteuerungen prächtig, um dem Mythos von den durchweg unschuldig Eingesperrten weitere Nahrung zu geben. [...]

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