Wir sind umgezogen!

Samstag, 30. Juni 2007

Der linkshumanistische Kämpfer

Feridun Zaimoglu ist bestimmt ein guter Autor, der Mann ist präsent und kann seine Bücher verkaufen. Und wenigstens versucht er meistens kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn er sich über politische Themen äußert - ein Umstand, den man würdigen muss. Das war dann aber auch schon alles Gute, was man an seine Versuche, am politischen Diskurs mitzuwirken, entdecken kann. Denn Zaimoglu ist ein typischer Linker, ein Ideologe, der sein analytisches Verständnis konsequent durch tradierte Kampfbegriffe blockiert. Der Furor, den er seit einiger Zeit entwickelt, wenn es um den Islam in Deutschland geht, speist sich nicht aus seiner Herkunft, sondern aus dem Fundus linker Gesellschaftstheorien und des damit unvermeidbar verbundenen Relativismus.

Vor einigen Tagen erschien im Berliner "Tagesspiegel" unter dem Titel "Sie wollen uns nicht" ein Rede Zaimoglus, die er auf der von den Grünen organisierten Veranstaltung "Integration braucht Rechte und Chancen" hielt - in ihr bemühte er die traditionelle Tautologie der "Rechtskonservativen". Dabei hielt er sich nicht damit auf, zu erklären wer denn diese Leute seien, sondern verließ sich darauf, dass seine Zuhörerschaft schon wisse, wen er denn meinte. Er berichtete über eine "Abwehrschlacht der Inländer gegen die Zugezogenen", von "rechten Schmarrn", "rechten Feministinnen, gewendeten Altlinken, orthodoxen Klassenkämpfern, Kulturpapisten" und selbstverständlich den "Rechtskonservativen". Diese unheilige Allianz habe sich zusammengetan, um die "Meinungshegemonie" über dieses Land zu erringen. Für den Autor herrscht in Deutschland Krieg - aus seiner Sicht stehen auf der einen Seite "linke Politiker und ich" und auf der anderen Seite "Provokateure mit stumpfen Ausbeinmessern", die dabei sind, zu "schneiden", "stechen", "reißen" und "zerren". Und als wenn dieses virtuelle Schattenboxen mit rechtskonservativen Metzgern noch nicht genug der linken Folklore wäre, mutiert Zaimoglu endgültig zum Klassenkämpfer, wenn er die "Ideologie der Schwarzen und ihrer Helfershelfer" als "Recht der Machthaber" bezeichnet. Aber es kommt tatsächlich noch besser: Zaimoglu wendet sich an sein Publikum und ruft ihm zu:
"Sie und ich fühlen uns in einem Humanismus verbunden, auf den sich zu beziehen heute dringlicher ist als gestern. Dieser Humanismus bedeutet, dass man auf der Seite der Schwachen steht. Deshalb werden wir angefeindet, deshalb werden wir diffamiert. Linkssein heute ehrt diese großartige Tradition. Wir machen weiter.

Der Kampf geht weiter."
Da läuft dem altgewordenen Sponti nochmal ein wohliger Schauder über den Rücken und man erinnert sich an all die alten Kämpfer, die damals gegen die faschistische Bundesrepublik in den Straßenkampf zogen. Wer kritisch denkt, erinnert sich daran, dass man sich bis heute im im Namen des "Linksseins" mitnichten grundsätzlich auf die Seite der Schwachen schlug, sondern immer wieder auf die Seite von linken und rechten Diktatoren und natürlich religiöser Fanatiker. Die zahlreichen Knackse im "linken Humanismus" passen aber so gar nicht zu Zaimoglus Fechtkampf mit dem "Ausbeinmesser", aber das ist für ihn eher unwichtig - seine Zuhörer wird es auch nicht gestört haben.

Der "Schriftsteller und bildende Künstler" Zaimoglu ist der lebende Beweis, dass es linken Utopisten noch immer nicht um Argumente geht. Die Rede offenbart eine groteske Form der Realitätsverweigerung. Eine Analyse konservativer Doppelmoral, vor allem im Zusammenhang mit der Einwanderung, findet nicht statt, stattdessen wird eine politische Ideologie auf Kosten einer anderen schöngeredet und glorifiziert. Diese Form der simulierten Kritik, bei der brachiale und martialische Vergleiche und Kampfparolen an die Stelle von Argumenten treten, nannte man früher einmal Propaganda. Zu diesem Zweck wird auch der historische Kontext einer Ideologie zugunsten einer kuscheligen Wunschvorstellung grundsätzlich ausgeblendet.

All das macht Zaimoglus Rede zu wenig mehr als einem bloßen Wortschwall. Angriffe auf ungenannt bleibende Superschurken und Durchhalteparolen sind für anwesende Claqueure bestimmt ein Leckerbissen, aber mit der Realität haben sie wenig zu tun.

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