Wir sind umgezogen!

Freitag, 29. Juni 2007

Das Wort zum Freitag

Auch auf die Gefahr hin, daß ich mir damit keine Freunde mache, aber in meinem unwiderstehlichen Drang, gegen den Strom zu schwimmen, bin ich inzwischen in Köln-Ehrenfeld angekommen. Da planen sie bekanntlich eine etwas größere Moschee, und das stößt offenbar den meisten Menschen sauer auf. Schade eigentlich, denn wenn ich mir die Bilder des Entwurfs so anschaue, dann kann ich nur sagen "Hut ab! Das ist ja mal was. Warum nicht öfter so?" Führt man sich nämlich vor Augen, wie häßlich hierzulande oft gebaut wird, ohne daß sich eine Bürgerinitiative oder auch nur das ästhetische Empfinden dagegen wendet, dann ist man geneigt, voller Ehrfurcht auf die Knie zu fallen, auch ohne dafür vorher zum Islam konvertiert zu sein.

Denn das, was der Architekt Paul Böhm da auf die Beine bzw. die Stahlträger gestellt hat, ist ohne protzig zu sein wirklich eine beeindruckende Synthese aus klassischen Elementen und der Moderne. Das ist schlicht, aber doch richtig hübsch, und wenn man hört, daß jetzt wieder daran herumgedoktert werden soll, um die Minarette zu verstümmeln, dann könnte man heulen. So ein Prachtbau als Wahrzeichen würde den meisten Städten zur Ehre gereichen, doch statt darauf stolz zu sein, sind die Ehrenfelder dagegen. Nun könnte man das vielleicht noch verstehen, wenn sie dafür halbwegs vernünftige Gründe hätten, aber schaut man sich die einzelnen gegen den Moscheebau vorgebrachten Argumente an, dann wirkt keins davon wirklich überzeugend, im Gegenteil:

1. Die Moschee zerstört gewachsene Strukturen

Dieses Argument hat man so ähnlich, oder besser gesagt genauso, schon von den Gegnern der McDonalds-Filiale in Berlin-Kreuzberg gehört. Und damit ist es auch genauso idiotisch. Wir leben in einem - zumindest rudimentären - Kapitalismus, und da sollte es einem Eigentümer schon noch erlaubt sein, in einem gewissen Rahmen über sein Eigentum zu verfügen, ohne erst die Nachbarn um ihr Einverständnis zu fragen. Und wenn damit eine vorhandene Nachfrage nach einem Gut oder einer Dienstleistung befriedigt wird und sich das Konzept somit durchsetzt, dann ist eben genau das die gewachsene Struktur, die es zu schützen gilt, und nicht der zweifelhafte Versuch, selbiges zu verhindern. Solange die Religionsfreiheit der Gewerbefreiheit nicht nachgeordnet wird, ist das Bereitstellen eines Platzes für die Religionsausübung jedenfalls genauso zulässig wie einer für die Nahrungsaufnahme.


2. Die Moschee verschandelt das Stadtbild

Ohne Euch zu nahe treten zu wollen, liebe Ehrenfelder, aber das ist ja wohl ein Witz! Ich würde sagen, jetzt lachen wir da alle mal gemeinsam drüber und dann Schwamm drüber. Denn bei allem Respekt, aber so spektakulär ist diese Aussicht jetzt wirklich nicht, daß sie durch das eine oder andere Minarett großartig abgewertet würde. Im Gegenteil, diese Moschee wäre architektonisch mit Sicherheit ein Gewinn und könnte sogar zu einer Kölner Attraktion werden, die neben muslimischen Gläubigen auch eine Menge Touristen anderer Religionen anzieht. Und wenn die erst mal ihr Geld in all den neu entstehenden Geschäften in Ehrenfeld lassen, werden die im Sonnenuntergang glänzenden Minarette auch in den Augen vieler, die sie heute noch als Bedrohung empfinden, plötzlich wunderschön sein.

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