Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 2. Mai 2007

KSE-Vertrag: Russland will mit Nato über Putins Abrüstungsstopp verhandeln

Eiszeit zwischen dem Westen und Russland: Die Nato ist über den von Präsident Putin angedrohten Abrüstungsstopp tief besorgt, Außenminister Steinmeier warnt vor einer "Spirale des Misstrauens". Im Mai will Moskau mit der Nato den KSE-Vertrag neu verhandeln.

Putin will aus den Verträgen zur konventionellen Abrüstung in Europa aussteigen? Und die NATO ist deswegen allen Ernstes besorgt? Ja spinnen's denn jetzt alle? Das ist ungefähr so, wie wenn ein herumtorkelnder Alkoholiker einen gerade aus dem Fitnessclub kommenden solariengebräunten Goldkettchenträger einzuschüchtern versucht, indem er androht, seinen Dackel auf dessen Pitbull zu hetzen, und der Kampfhundbesitzer den wodkagetränkten Streithansel tatsächlich verzweifelt anfleht, seiner vierbeinigen Jagdwurst doch bitte, bitte den Maulkorb nicht abzunehmen.

Denn seien wir realistisch: Der einzige der sich hier Sorgen machen und ein Interesse an Abrüstungsverträgen haben müßte, sind ja wohl die Russen selbst. Ihre Streitkräfte sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihr Zustand ist bedenklich, ihre Einsatzbereitschaft mehr als fraglich, ihre Rüstung wird von amerikanischen HighTech-Waffen mit jedem Krieg deutlicher deklassiert, und trotz der dramatischen Abrüstung nach Ende des Kalten Krieges sind die konventionellen Streitkräfte der NATO-Staaten dem potentiellen Gegner heutzutage anders als früher sogar zahlenmäßig weit überlegen.

Dies nicht zuletzt, weil die Mitgliedstaaten des ehemaligen Warschauer Paktes sich nicht nur nicht mehr wie früher zur russischen Bedrohung hinzuaddieren, sondern sogar geschlossen zum ehemaligen Feind im Westen übergelaufen sind. Doch auch Rußland selbst besitzt nur noch die Hälfte der Stärke der zerfallenen Sowjetunion, mit den ehemaligen baltischen Staaten inzwischen ebenfalls in der atlantischen Allianz und der militärisch nicht unbedeutenden und sich bereits selber mit NATO-Ambitionen tragenden Ukraine schon rein geographisch jedem kriegerischen Abenteuer im Weg.

Nicht daß das falsch verstanden wird: Die Rückkehr zu lupenrein autoritären Strukturen, die Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen und Rußlands Unterstützung für Schurkenstaaten wie den Iran sind ausgesprochen bedenkliche Entwicklungen, mit denen Schröders Männerfreund dem Westen durchaus ernste Schwierigkeiten machen kann. Auch können uns die russischen Atomraketen immer noch jederzeit ohne Vorwarnung von der Erdoberfläche tilgen. Aber die russischen Panzerarmeen schaffen es in 48 Stunden kaum bis zum Bug. Da muß am Rhein nicht mehr gezittert werden.

Kontakt

  • admin.wmd [at] googlemail.com