Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 9. Mai 2007

Back to the roots

Am 14. Mai 1948, als sich der Nationalrat im Museum von Tel Aviv auf dem Rothschild-Boulevard zu seiner vierten Sitzung traf, proklamierte David Ben Gurion als Oberhaupt der provisorischen Staatsregierung in Übereinstimmung mit dem UN-Teilungsplan die Gründung des Staates Israel. Nur wenige Stunden später griffen die Armeen von fünf arabischen Staaten das Land an. Israel verteidigte seine Unabhängigkeit und schlug seine waffenstarrenden Gegner zurück; Jerusalem jedoch – das unter internationale Verwaltung gestellt werden sollte – wurde geteilt: Seine westlichen Stadtteile gingen an Israel; Jordanien hatte den Ostteil der Stadt besetzt, die dort lebende jüdische Bevölkerung vertrieben und das jüdische Viertel in der Altstadt zerstört. Der Zugang zur Klagemauer war Juden nicht mehr möglich. Dieser Zustand fand im Sechstagekrieg 1967 sein Ende.

In Israel wird der Unabhängigkeitstag, der Yom Ha’atzma’ut, jährlich am 5. Iyar des jüdischen Kalenders gefeiert (der nach dem gregorianischen Kalender diesmal auf den 23. April fiel), nicht zufällig einen Tag nach Yom Ha’zikaron, an dem der in den Kriegen gefallenen Soldaten und der Opfer des Terrors gedacht wird. Den diesjährigen Yom Ha’atzma’ut beherrschten vor allem zwei Themen. Das eine war die innen- wie außenpolitische Situation Israels nach dem Zweiten Libanonkrieg im Sommer 2006, die zumal in Erwartung des Zwischenberichts der Kommission um den ehemaligen Richter des Obersten Gerichts, Eliahu Winograd, diskutiert wurde. Dieser eine Woche nach dem Unabhängigkeitstag veröffentlichte Winograd-Report befasste sich mit den politischen und militärischen Maßnahmen im Zeitraum zwischen dem Abzug Israels aus dem Südlibanon im Jahr 2000 und den ersten Tagen des Libanonkrieges; er warf der amtierenden Regierung um Premierminister Olmert eine Reihe von Fehlern und Versäumnissen vor und löste vielfache Rücktrittsforderungen aus.

Das andere zentrale Thema war der kommende vierzigste Jahrestag des Sechstagekrieges, der Israel seinerzeit von Ägypten, Jordanien und Syrien aufgezwungen worden war, von Ländern, die unmissverständlich angekündigt hatten, den jüdischen Staat und seine Bewohner auslöschen zu wollen. Eine Niederlage Israels im Juni 1967 hätte also die Vernichtung seiner Existenz bedeutet. Dass die bewaffnete Notwehr gegen den per se mörderischen Antisemitismus für alle Zeiten eine unbedingte Notwendigkeit ist und darüber hinaus auch erfolgreich sein kann, war deshalb eine in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzende Konsequenz für Israel und die jüdische Geschichte. Vor diesem Hintergrund sind die Sorgen seit dem vergleichsweise mäßig erfolgreichen Krieg, in den die Hizbollah den jüdischen Staat gezogen hat, nicht kleiner geworden. 1967 stellt das Gegenstück zu diesem Waffengang dar, und die Debatten über die Bedeutung des Sechstagekrieges für Israel und die in anderen Teilen der Welt lebenden Juden haben deshalb auch meistens zum Ziel, zu einer Kontinuität in Bezug auf die nachdrückliche Selbstverteidigung beizutragen.

In ihrer Beilage zum Yom Ha’atzma’ut druckte die Jerusalem Post ein Gespräch über die verschiedenen Auswirkungen von 1967, das drei Publizisten und Wissenschaftler miteinander geführt hatten: Michael Oren, leitendes Mitglied des Shalem-Centers und Autor des ausgezeichneten Buches Six Days of War: June 1967 and the Making of the Modern Middle East (Sechs Tage Krieg: Juni 1967 und die Erschaffung des modernen Nahen Ostens), Amotz Asa-El, Kolumnist der Jerusalem Post und Dozent des Shalem-Centers, sowie Yossi Klein-Halevi, ebenfalls führender Wissenschaftler des Shalem-Centers und zudem Korrespondent der New Republic in Israel; derzeit schreibt er an einem Buch über die Fallschirmjäger, die 1967 Jerusalem wiedervereinigten. Lizas Welt hat längere Auszüge aus dieser Diskussion ins Deutsche übersetzt. [...]

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