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Mittwoch, 25. April 2007

"Symbol der Frömmigkeit"

In der letzten Zeit hört man wieder mehr über Liebelingskleidungsstück muslimischer Frömmler, das Kopftuch. Auch bekommt man neues zur Deutungshoheit beim Thema Kopftuch mitgeteilt. So sprach etwa der Schriftsteller Feridun Zaimoglu von sogenannten "Neo-Muslimas" und denen, "die für sich entschieden haben, ihre Frömmigkeit äußerlich sichtbar zu machen". Das darf Zaimoglu aber nicht bewerten, denn er ist "ein Mann und es wäre geradezu unanständig von ihm, dabei Forderungen nach Kopftuch oder nicht zu stellen". Das ist natürlich auch eine Möglichkeit sich das Denken zu verbieten.

Dass das Kopftuch dazu neigt, nicht nur das optische Blickfeld seines Trägers einzuschränken, wird in einem Artikel des UniSpiegel beschrieben, der die angebliche "Avantgarde Allahs" an deutschen Universitäten thematisiert. Die hier befragten Frauen, die als durchaus modern dargestellt werden sollen, geben freimütig zu, dass sie kein Interesse an der Mehrheitsgesellschaft haben, dass sie kein Interesse an dem haben, was deutsche Politiker als "Integration" verklausulieren. Kontakte mit "deutschen" Mitstudenten werden abgelehnt, man hat "keine Zeit", was natürlich ein Witz ist, da die meisten Migrantenkinder wahrscheinlich selber einen deutschen Pass in der Tasche haben. Gemeint sind also Nichtmuslime. Man wohnt unter Obhut der Familie und "geht nie aus". Wie weit diese Kontaktsperre mit der Außenwelt wirklich selbst verordnet ist, bleibt unklar.

Die Beobachtung einer verschleierten Studentin, dass die Zahl der kopftuchtragenden Kommilitonen seit dem 11. September so in die Höhe geschnellt ist, wirft weitere Fragen auf, die im Text aber nicht weiter behandelt werden. Der Hinweis, dass "Kreuz und Kippa" nie in die Kritk geraten, darf natürlich nicht fehlen. Warum dieser Vergleich völliger Unsinn ist, zeigen die Bilder auf dieser Webseite, auf der man sieht, wie junge Iranerinnen wegen des Verstoßes gegen die Bekleidungsvorschriften von inn schwarze Säcke gekleideten Sittenpolizistinnen abgeführt werden. Ähnliche Szenen wegen Kruzifixen oder Kippas gibt es nicht.

Trotz dieser kopftuchgestützten weltweiten Unterdrückung von Frauen, tragen einige deutsche Muslimas, denen jede Freiheit der Welt zusteht, freiwillig das Symbol der Unterdrückung, um "Gott zu danken" und "das freundliche Gesicht des Islam zu zeigen". Dieses "freundliche Gesicht" äußert sich dann schon mal in Studentinnen, die Männern nicht mehr die Hand geben, weil sie glauben, dass "Männer in der Hand eine Stelle haben, die bei Berührung durch eine Frau Begehren weckt". Eine hervorragende Überzeugung für eine Studentin der Pädagogik.

Und während im Iran Frauen bedroht, geschlagen und verfolgt werden, weil sie sich nicht ganz an die Kleiderordnung ein paar greiser Männer mit Gottestick halten wollen, werden Frauen in freien Gesellschaften als "Avantgarde" dargestellt, wenn sie sich mehr oder weniger freiwillig ein Symbol der Unterdrückung auf den Kopf setzen. Ein Symbol der Abgrenzung, die sich eben nicht nur gegen das andere Geschlecht richtet, sondern generell gegen die "Deutschen", sprich die nichtmuslimischen Kommilitonen. Praktizierte Absonderung an der Basis, während die Chefs der muslimischen Verbände über die nötigen Integrationsbemühungen der Mehrheitsgesellschaft sprechen. Bemühungen, die bei Koreanern, Filipinos oder Griechen nicht nötig waren und die sich ohne Glauben und Tradition abzulegen ganz nebenbei und vor allem von selber integriert haben.

Ekin Deligöz, die nach dem Aufruf an Muslimas, das Kopftuch in Namen des Zusammenlebens abzulegen, mit dem Tod bedroht wurde, ist der lebende Beweis dafür, dass das Kopftuch eben kein Symbol unter vielen ist. Es gibt Leute, die für die Apartheit der Frauen bereit sind, andere Menschen zu töten. Das sollte zu denken geben, bevor man eine neue "Avantgarde" ausruft. Um es klar zu machen: Natürlich dürfen diese Frauen sich ein Tuch um den Kopf binden, das ist ihr gutes Recht. Aber der Blick über den Globus in die Länder, in denen im Namen des Islam und der erzwungenen Verschleierung gemordet wird, zeigt, dass das Kopftuch eben nicht das "freundliche Gesicht des Islam" symbolisiert, sondern knallharte Geschlechtertrennung und die Entrechtung der Hälfte einer Gesellschaft.

Ein iranischer Sittenwächter hat es ganz klar ausgedrückt:
"Those women who appear in public like decadent models endanger the security and dignity of young men."
Leider muss man fürchten, dass diese hanebüchene Ansicht auch bei den deutschen Muslimen geschlechterübergreifend sehr verbreitet ist. Ein Rückschritt in das siebte Jahrhundert, aber wenigstens dort Teil der Meinung einer göttlichen Avatngarde.

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