Wir sind umgezogen!

Montag, 16. April 2007

Es rumort im Gebälk

Im letzten Jahr konnte man wunderbar beobachten, wie die Linkspartei mit dem Krieg der Hisbollah gegen Israel umging. Die Abgeordnete Heike Hänsel trat auf einer klar antisemitischen Demonstration auf und die zwei anderen Stooges der Fraktion, Paech und Gehrke, warfen mit Friedensappellen und Ermahnungen gegenüber Israel nur so um sich. Vor allem Gehrke trat als großer Fan der Hamas in Erscheinung, zu einer "Friedenskonferenz" lud er ein "gemäßigtes" Mitglied der Terrorbande ein. Die Mäßigung des Islamisten bestand darin, den Israelis zu attestieren, dass sie keine Menschen, sondern Tiere seien.

So weit, so schlecht könnte man denken. Nachdem die Nazis immer mehr den Sozialismus in ihrem Namen entdecken und die antikapitalistische Karte ausspielen, findet auf der angeblich entgegengesetzten Seite des politischen Spektrums eine Hinwendung zum Antisemitismus statt. Selbstverständlich wird das vehement abgestritten, genauso vehement, wie man Nationalsozialisten fälschlicherweise nur als "deutsche Faschisten" bezeichnet. Jetzt scheint es aber aus der eigenen Partei wachsende Kritik zu geben. Mitglieder der "Jungsozialisten" aus Thüringen und Sachsen machen gegen die Unterstützung antidemokratischer Kräfte durch die Bundestagsfraktion mobil. Unter dem Titel "Hinter uns allen her? - Elsässer, Lafontaine und die Verschwörung gegen die Nationen" beschreibt Daniel Kulla, wie Lafontaine und sein Busenfreund Elsässer Verschwörungstheorien und den unvermeidlichen Antisemitismus in die Parteiagenda einfließen lassen. Im Organ der PDS-Jugendorganisation "neuroticker" kritisiert unter anderem auch die Semiprominente Katja Kipping (immerhin Parteivize), dass Teile der Partei "sogenannte Befreiungsbewegungen" unterstützen.

Trotz soviel berechtigter Kritik freue man sich aber nicht zu früh, denn eigentlich sollten diese für die Linkspartei offenbar unglaublich neuen Kritikpunkte jedem einigermaßen funktionierenden Gehirn einleuchten. Um zu erkennen, dass es sich bei der Hisbollah eine Truppe gewalttätiger Fanatiker handelt und dass die Hamas in erster Linie Juden ermorden will, braucht man keine Debatte nach bereits erfolgter Solidarisierung der Parteiprominenz - es sollte bereits vorher klar sein. Trotzdem ist die nationabolschewistische Arbeitgeberin des erwähnten Jürgen Elsässers, die "Junge Welt" empört ob so viel Kritik aus den eigenen Reihen und spricht von "massiven Angriffen" und von Versuchen, dem designierten Parteiführer Lafo etwas "anzudichten".

Frau Hänsel, die entwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, wird in derselben Ausgabe der "Jungen Welt", die in vorauseilendem Gehorsam von "Diffamierungen" spricht, zu dem Thema interviewt, und weiß erstaunliches mitzuteilen. Hier ein paar Auszüge aus der Gedankenwelt einer antiimperialistischen Ökotrophologin:
"Kriegs- und Militärpolitik ist immer reaktionär. Deshalb ist es für mich auch inakzeptabel, »Verständnis« für den letztjährigen Libanon-Krieg zu zeigen. Übrigens genauso wenig wie für die Raketenangriffe der Hisbollah auf israelische Zivilisten."
Wenn das der Grund ist, warum man während dieses Krieges vor einer antisemitischen Meute auftritt, die fröhlich die "Intifada bis zum Sieg" fordert und begeistert die Bilder des Hisbollah-Paten Nasrallah umspringt, dann will ich ja nicht wissen, was die Unterstützer der Raketenangriffe au Israel veranstalten, wenn sie vor Hisbollah-Fans sprechen.

Frau Hänsel bedient sich bei der weiteren Rechtfertigung ihrer Forderung zur Gesprächsbereitschaft mit Massenmördern dann der alten "Judenkarte", d.h. sie verweist auf irgendwelche Umfragen in Israel, die ergeben haben sollen, dass auch die dortige Bevölkerung mit Frau Hänsel einer Meinung ist. Das gipfelt in der Aussage:
"Damit vertrete ich nur die Position israelischer Friedensgruppen."
Das ist grandios! Schön, dass sich Frau Hänsel neben den arabischen Friedensgruppen Hamas und Hisbollah auch mit den israelischen Friedensgruppen beschäftigt hat. Dann muss ja alles in Ordnung sein.

Wenigstens sagt Frau Hänsel einen Satz, mit dem man klar festmachen kann, um was es sich bei ihrer Vorliebe für religiöse Fanatiker handelt:
"Das ist virtuelle Politik, die sich mit Positionsbestimmung innerhalb einer politischen Szene begnügt, aber nichts mit den Lebensinteressen der Menschen in der Region zu tun hat."

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