Wir sind umgezogen!

Montag, 23. April 2007

Die G8-Gegner und ihre fröhlichen Aktionen

Von nah und fern schallt es schon seit geraumer Zeit: Man muss sich gegen die G8 wehren. Die genauen Gründe bleiben dabei meistens im Unklaren, werden durch ideologische Kampfbegriffe simuliert oder basieren auf einer grundlegenden "Dagegen!"-Haltung. In die bunte Schar der gegen den freien Markt protestierenden Gutmenschen reihen sich auch diverse Gewerkschaften (ver.di, IG Metall), die sozialdemokratische evangelische Kirche, Kommunisten und Nationalsozialisten ein. Und da die übliche Binsenweisheit, dass die Globalisierung Deutschland nur Jobs kosten würde, schon lange im gesellschaftlichen Mainstream verankert ist, will nun auch die Stadt Rostock mitmachen und für die Demonstranten, die am zweiten Juni zu einer Großdemo anrücken, Schlafplätze in Schulen bereitstellen. Die Übernachtungskosten werden also schön "sozialisiert".

Nachdem man den anreisenden attac-Hippies schon einen Campingplatz zur Verfügung stellte, drohten die Veranstalter ("Camp AG") damit, "dass die Leute in den Parks schlafen würden, sollte es nicht genügend Campplätze geben". Man könnte ja von Erpressung reden, aber wenn sich die Stadt von solchen Leuten herumschubsen lässt, hat sie nichts besseres verdient, als diese "Absprache". Die Organisatoren rechnen übrigens mit etwa 100.000 Protestlern. Diese Einschätzung muss natürlich gar nichts bedeuten, aber mit einer solchen Horde völlig planlos angereister G8-Gegner kann man schon einigen Druck erzeugen.

Rein inhaltlich bleibt man natürlich bei dem üblichen Geschwätz. So soll es unter anderem einen Zaunspaziergang unter dem Motto "Gegen Zäune, Mauern und Grenzen" geben. Ein wenig durchdachtes Vorhaben, denn so mancher der mitprotestierenden alt-68er, der heute von seiner Pension im gemütlichen Eigenheim haust, würde sofort mit der eigentlich so verhassten Staatsmacht drohen, wenn man versuchen würde, seinen Jägerzaun für illegal zu erklären. Ähnliches bei den Strafanstalten. Den großen Zaungegnern würde wahrscheinlich als erstes Angst und Bange werden, wenn die inhaftierten Herrschaften dank abgeschafften Mauern und Zäunen durch die Straßen ziehen würden. Das passt aber nicht in die fundamentale Kritik und so bleibt die Berliner Mauer offiziell die einzige gute Sperranlage der Linken.

Auch sonst bleibt man bei kostenloser und wohlfeiler Symbolik. Die absoluten Experten sind dabei natürlich die evangelischen Geistlichen, von denen die meisten sogar nur noch eine symbolische Religion vertreten. Offiziell unterstützt die Kirche die Proteste übrigens nicht, aber irgendwie machen sie trotzdem mit. So will man die Proteste mit den Kirchglocken im wahrsten Sinne des Wortes einläuten und medienwirksame 30.000 Kerzen entzünden, um so auf die gleiche Zahl von Kindern hinweisen, die täglich sterben. Dabei soll es sich um "ein Zeichen des Mitfühlens und des Einsatzes der Kirchen für die Armen dieser Welt" handeln, erklärt Kirchenrat Flades. Eben: Die Kerzenanzünder wollen sich gut fühlen, ob davon ein Kind weniger stirbt oder nicht ist egal. Die gefühlte Handlung ist es, die zählt.

Gewerkschaften, attac, Kirchen - wer fehlt da noch? Klar, die Unterhaltungschickeria. Die "kritischen Geister", die, mit der politischen Kompetenz eines Vorschülers ausgestattet, dank ihrer Prominenz immer wieder gerne für die PR des Rückstandes angefordert werden. Zu diesen "Experten" gehören etwa die Toten Hosen, Afrob und Jan Delay (Song: "Söhne Stammheims"). Die haben alle ein paar Musikstücke für einen "Soli-Sampler" beigesteuert. Auf der Internetseite kann man sich auch den Mobilisierungsfilm ansehen, auf dem sich die Profiteure der Globalisierung als deren Gegner profilieren.

Alles in allem hat man es bei den Gegnern der G8 zumindest inhaltlich mit viel Schall und Rauch zu tun. So sieht organisierter Wohlfühl-Widerstand aus - das ist in einer Demokratie nicht gefährlich und dank einer Stadt wie Rostock und Papas PKW auch fast umsonst. Für die protestierende Opposition in Simbabwe müssen die gefühlten Probleme dieser Truppe der reinste Hohn sein.

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