Wir sind umgezogen!

Donnerstag, 19. April 2007

Die europäische Borniertheit angesichts eines Massenmords

Auf vieles kann man in Europa gewiss stolz sein. Nicht aber auf diese eurozentristische Borniertheit, die in diesen traurigen Tagen des Massenmords durch einen paranoiden und psychisch kranken Jungen an einer Universität in Virginia (USA) wieder einmal ersichtlich wird. Man könnte diese Engstirnigkeit auch mit dem typischen Phänomen „Klappe auf – Nichts dahinter!“ definieren, aber das wäre wohl zu gnädig und zu einfach gegenüber jenen, die die 32 Toten des Massenmords zumindest mental mit Füßen treten. Vielleicht ist es auch eine kollektive Unfähigkeit, sich in andere Menschen zu versetzen.
Denn in deutschsprachigen Medien, als auch in Teilen der Öffentlichkeit, ließt man kaum etwas über Mitleid für die Opfer, die Angehörigen, die traumatisierten Überlebenden, oder gar gegenüber den Vereinigten Staaten generell.

“Europa ist zweifellos die Wiege der Kultur. Aber man kann nicht sein ganzes Leben in der Wiege verbringen.”

Oskar Maria Graf (1894-1967), dt. Schriftsteller

Täterkult

Stattdessen findet sich die europäische Diskussion inmitten eines Täterkults. Man beschäftigt sich intensiv mit dem Täter. Sensationsgeil, lüstern, spektakulär: Willig erfüllen die Medien den letzten Willen des Täters: Mediale Aufmerksamkeit, ein multimedialer Altar und Schrein des Andenkens. Die ewige Frage, die man nie eindeutig beantworten kann: Wie kann ein Mensch nur so etwas machen? Wie kann ein 23-jähriger 32 Menschen kaltblütig hinrichten? Wie kann ein junger Mensch so einen Hass entwickeln?
Neben professionellen und selbsternannten Psychologen, finden sich, offensichtlich gleichzeitig vom Massaker abgestoßen, geschockt, aber auch fasziniert („Faszination des Grauens“) jene Menschen ein, die eben diesen Tick namens „Große Klappe – Nichts dahinter“ besonders praktizieren. Wenn sich dieser Tick auch nicht mit Rassismus und Antisemitismus, gepaart mit Ahnungslosigkeit vermischt, haben wir den unmoralischen Salat, den nun den Betroffenen des Massakers aufgetischt wird, und nun für gerechtfertigte Empörung in den USA sorgt, denn immer mehr erkennt dort die Bevölkerung, wie feindlich viele Europäer pauschal über Amerikaner denken, kaum noch Unterschiede in der Intensität zur typisch-bekannten Ausländerfeindlichkeit gegenüber den „Tschutschn“ und den „Türken“ bemerken können.

Rassistischer Biologismus

Der Rassismus zeigt sich vor allem anhand der Theorienbildung, warum ausgerechnet in Amerika so viele Amokläufe bekannt seien. Schon alleine diese Frage ist idiotisch und gemein, wenn man die Größe des Landes berücksichtigt, und das sowohl in China, als auch in Russland, bekannterweise zig nationale Massaker im Laufe der Geschichte vertuscht wurden – Einige kamen dann doch in die Öffentlichkeit, wurden aber nie so derartig diskutiert wie jeder US-Amoklauf, weil in Europa ein richtiger Amoklauf nur in den USA stattfinden kann. Denn im Gegensatz etwa zum Amoklauf in Erfurt 2002, wo ein deutscher Bursche 16 Menschen am Gymnasium erschoss, kommen einige Schamlose bei Amokläufen in den USA daher, und wollen den Amerikanern gar eine Art „Revolverheld-Gen“ unterstellen.
Sätze wie „Der Ami sei halt zum schießen“ geboren sind da nur die harmlosesten Sätze, die man zu diesem Thema lesen kann.
Spätestens, wenn wieder einmal der – ich kann es irgendwie nicht mehr anders formulieren – strohdumme Hinweis auf die Indianermassaker der „Amis“ kommt, und diese Gewalttätigkeit bis heute eben im „Ami“ drin sei, kann man als geschichtsbewusster Mensch kaum die Abscheu ob dieser Unkenntnis verbergen, denn wie oft muss man denn noch betonen, dass es zumeist europäische Pioniere waren, die in Amerika einwanderten, Indianer töteten und massakrierten, viele heutige Amerikaner Nachfahren von Europäern sind und die „Amis“ nicht plötzlich wie die Söhne Thebens durch eingegrabene Drachenzähne aus dem Boden schossen?

“Amerika war ein jungfräuliches Land. Die Pioniere fanden nur die Knochen der von ihnen abgemurksten Rothäute.”

de Gaulle, 1890 – 1970, französischer General und Politiker

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