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Mittwoch, 18. April 2007

Deutsche Medien machen Stimmung

Der Großteil der deutschen Presseerzeugnisse leidet unter journalistischen Doppelstandards. Terroristen werden zum Beispiel aus Gründen der falsch verstandenen Neutralität nicht als solche bezeichnet, man bedient sich lieber aus dem großen Blumenstrauß der Umschreibungen. Berichte über bestimmte Länder zeugen dagegen von einer Art Wahn, der jede Neutralität fallen lässt und geradezu manisch nach dem schlechten Charakter des Landes und seiner Bürger fahndet. Die Länder um die es geht sind meistens übrigens wirklich lupenreine Demokratien.

Ein weiterer Fall der Parteilichkeit der deutschen Medien kann zur Zeit gut an der Berichterstattung zum französischen Präsidentschaftswahlkampf beobachtet werden, über den nach einem alten Schema berichtet wird. Der Titel einer Reportage im ZDF, die gestern lief, umschreibt das Schema in drei Worten: "Charme gegen Populismus". Beim ZDF heißt es dazu:
"Sie [die Autoren] erklären, mit welchen Rezepten 'Ségo' und 'Sarko' die Wähler gewinnen wollen."
Und schon haben "Charmeur und Populist" Namen bekommen. Die angebliche Neutralität, hinter der man sich vor heiklen Themen sonst so schön versteckt, wird fallen gelassen.

Die attraktive Royal gegen den gefährlichen Wüterich Sarkozy, diese Auswahl wird von ZDF-Korrespondent von Sobeck nach Deutschland übermittelt. Das mag seine persönliche Meinung sein, aber mit Information hat das herzlich wenig zu tun, man bedient das Gutmenschendenken, welches da lautet: "Links ist gut, Rechts ist schlecht". Eine wirkliche Überprüfung der Vorstellungen des "rechten" Kandidaten Sarkozy kann auf dieser Grundlage gar nicht mehr erfolgen und der Titel der Sendung drückt aus, dass man darauf eigentlich auch keine Lust hatte. Eine solche Sendung vermittelt keine Informationen oder Meinungen, sie soll letztere machen.

Besonders beliebt bei derartigen Berichten sind die Interviews mit eingeborenen Migranten in den berühmt berüchtigten Trabantenstädten Frankreichs. Man interviewt hier vor allem Jugendliche und transportiert deren Ansichten. Und weil man schon dabei ist, werden diese Ansichten kritiklos übernommen. Bei SPON schreibt man zum Beispiel über die Vorstadtkrawalle, bei denen die Randalierer vor allem ihre eigenen Nachbarn um Teile ihres Besitzes gebracht hatten und auch den ein oder anderen Behinderten über die Klinge springen ließen:
"In der Trabantenstadt östlich von Paris brachen vor eineinhalb Jahren die Unruhen aus. Mit wochenlangen Krawallen machten die Jugendlichen - der Großteil aus afrikanischen Einwandererfamilien - auf ihre Ausgeschlossenheit aufmerksam."
Das weiß man eben. Oder man glaubt denen, die damals mitgemacht haben und Teile der französischen Großstädte terrorisierten. Ähnlich wie der Gutmensch den Terroristen als Opfer der Umstände sieht, werden Randalierer, die auf Action aus waren, zu Rebellen und Widerstandskämpfern stilisiert. Und natürlich darf der Hinweis auf einen Umstand nicht fehlen, schließlich hatte Nicolas Sarkozy von "Gesindel" gesprochen. Dieses altertümliche Wörtchen soll Leute, bei denen die Worte "Hure" und "Schlampe" ganz selbstverständlich eingesetzt werden, so tiefe Verletzungen verursacht haben, dass sie nicht anders konnten, als Busse und Passagiere zu verbrennen. Diese Ursache/Wirkung-Konstruktion wird nicht kritisch hinterfragt - das würde eben nicht ins Schema passen.

Die Drohungen der Jugendlichen, dass es bei einem Wahlsieg Sarkozys zu "Krieg in den Städten" käme, wird einfach so akzeptiert, als sei so etwas im Wahlkampf alltäglich und als habe man nie erlebt, was ein solcher "Krieg" anrichtet. Dass Sarkozy der erste war, der das totgeschwiegene Problem der kaserniert lebenden Einwanderer thematisierte, ist nur eine Randnotiz wert.

Der Wahlkampf in Frankreich ist höchst spannend und ein wirklich interessantes Thema. Die Art und Weise, wie von einigen deutschen Journalisten berichtet wird, ist dagegen zum Kotzen und zeugt von einer unerträglichen Überheblichkeit dieser Herrschaften, die glauben, man könnte einfach mal die eigene wohlfeile Meinung als die der Franzosen ausgeben und sich ansonsten ein schönes Leben in Paris machen. Diese Form des Journalismus ist unseriös und verdient diesen Namen nicht.

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