Wir sind umgezogen!

Dienstag, 10. April 2007

Der Pilger, Israel und die amerikanischen Dollars

Normalerweise kann ein Zuschauer der "NDR Talkshow" keine neuen Erkenntnisse erwarten, wenn er sich das von ewiger Harmonie beseelte Plauderstündchen ansieht. Aber in der letzten Sendung trat ein Mann auf, der meinte, er müsse dem Zuschauer mal wieder das "wahre Israel" näherbringen. Der Mann ist katholischer Diakon, hauptberuflich Pilger und heißt Friedhelm Grewe. Herr Grewe hat ein Buch mit dem Titel "Der Traum vom Pilgern. Die großen Wallfahrtswege Europas" veröffentlicht, in dem er über seine frommen Reisen erzählt. Und das "Heilige Land" darf da natürlich nicht fehlen.

Grewe berichtete von seinem letzten Aufenthalt in Israel und erzählte davon, dass es in Israel tatsächlich Christen mit israelischem Pass gibt. Neben dieser ungeheuren Tatsache wusste er zu berichten, dass diese Christen allesamt in fürchterlicher Armut leben. Eigentlich galt das nur für die Gruppe, die er zuletzt besucht hatte, aber der Diakon schien fest davon überzeugt, dass es allen Christen in Israel so geht, weil sie eben Christen sind. Und er war empört darüber und mit dem üblichen "Kohle"-Zeichen (Daumen und Zeigefinger aneinander reiben) sagte er, diese Menschen seien arm, obwohl "die amerikanischen Millionen nicht weit weg sind" (sinngemäß). USrael eben.

Grewe scheint davon überzeugt zu sein, es gäbe in Israel keine armen Menschen, außer diesen Christen und dass der vermeintliche Reichtum der jüdischen Israelis nur von der USA gesponsort sei. Anders kann man seine Bemerkung nicht interpretieren.

Aber dieser viel reisende Gottesmann konnte noch etwas anderes berichten, nämlich wie schockiert er war, als er die israelische Sperranlage besuchte. Der Mann war außer sich als er davon schwafelte, dass man Mauern und Grenzen in der Welt doch eigentlich überwinden wolle.
Ein wohlfeiler Allgemeinplatz, der aber gut dazu geeignet ist, von der gutmenschlichen Mehrheit zustimmendes und wissendes Kopfschütteln zu ernten. Natürlich war diese absurde Feststellung kompletter Unsinn und Grewe verlor kein Wort über die Menschenleben, die seit Bestehen der Anlage nicht vernichtet werden konnten. Auch die übrigen Gäste der Talkrunde (Oliver Pocher, Ralf Siegel, etc.) widersprachen dem Pilger-Diakon nicht, obwohl ein Gast zuvor aufzeigte, wie wenig eine Reise nach Israel mit Pilgern zu tun hat, wenn man mit Flugzeug und Omnibus direkt zu den heiligen Stätten chauffiert wird.

Der Bericht des Diakon ist eine vorzügliche Ergänzung zu den hochheiligen Feststellungen, die die deutschen Bischöfe vor einiger Zeit machten, als sie ihren koscheren Cluburlaub bestritten. Wer Friedhelm Grewe in Aktion erleben will, kann sich die Wiederholung der Sendung am 16. April von 10.15 - 12.15 Uhr nochmals ansehen.

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