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Donnerstag, 5. April 2007

Berufsbreschenschläger

Wenn jemand einen Preis bekommt, der nach einem Künstler, Schriftsteller, Unternehmer oder Politiker benannt ist, gehört es zu den vornehmen Pflichten des zuständigen Laudators, seine Hommage auf den oder die Gewinner mit einem markanten Bonmot des Namensgebers der Auszeichnung einzuleiten. Damit soll in aller Regel gezeigt werden, dass die Geehrten in dessen Tradition stehen. Anders läuft es auch bei der Vergabe des Erich-Fromm-Preises nicht; der mit der diesjährigen Huldigung beauftragte Festredner Norbert Copray – Direktor einer Einrichtung mit dem virtuosen Namen Fairness-Stiftung – zitierte gleich zu Beginn den zur Hochzeit der Friedensbewegung verstorbenen Schriftsteller: „Wenn die Menschen wüssten, welchen Weg die amerikanische Gesellschaft vermutlich einschlagen wird, wären viele, wenn nicht die meisten, so entsetzt darüber, dass sie wohl geeignete Vorkehrungen treffen würden, den Kurs zu ändern. Wenn sie sich dagegen nicht darüber klar sind, in welcher Richtung sie sich bewegen, dann werden sie erst erwachen, wenn es bereits zu spät ist und wenn ihr Schicksal unwiderruflich besiegelt ist.“

Die beiden fromm Bepreisten, denen durch diese Zeilen geschmeichelt werden sollte, sind fürwahr würdige Ordensträger, weil qua Profession den lieben langen Tag „entsetzt“ und deshalb damit befasst, „geeignete Vorkehrungen“ gegen das Armageddon der Amis zu treffen. Zwei „Persönlichkeiten“ wurden also dekoriert, „die – seit sie öffentlich wirken und wirksam sind – der Dehumanisierung des Menschen und der Gesellschaft entgegen treten und der Humanität im Sinne Erich Fromms eine Bresche schlagen in Politik, Gesellschaft, Religion und Kirche“. Man ahnt es schon: Die Berufsbreschenschlager und Antidehumanisierer Eugen Drewermann und Konstantin Wecker waren es, die unlängst ein paar Mille dafür zugesteckt bekamen, dass sie ihre „Wut und Traurigkeit über das, was Menschen Menschen an Leid antun“, einfach nicht für sich behalten können, sondern allerweil sturzbetroffen Gott und aller Welt vorbeten respektive -singen, wie der Globus „durch eine entfesselte Technik, Wirtschaft und Kriegsmaschinerie, der offenbar keiner der Machtinhaber wirklich Einhalt gebieten will“, zuschanden geritten wird.

Wie anders ging es hienieden zu, ließe man nur Eugen & Konstantin ran; schließlich verbindet sie „das Engagement für eine Welt ohne Gewalt und ohne das Sieger-Verlierer-Prinzip, für eine unbeirrbare Hoffnung auf eine humanitäre Gesellschaft. Sie eint eine Orientierung am Sein statt am Habenwollen, die Hingabe für Frieden, Freiheit und Würde der Menschen“, wie Laudator Copray es formulierte. Wie diese „humanitäre Gesellschaft“ und das „Sein“ beschaffen sind und was sich hinter der „Hingabe für Frieden, Freiheit und Würde der Menschen“ verbirgt, erläutert Clemens Heni in seiner Würdigung Drewermanns. [...]

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