Wir sind umgezogen!

Dienstag, 27. März 2007

Nur getroffene Köter bellen

Wolf Biermann hat nicht nur das Bundesverdienstkreuz, sondern nun auch die Ehrenbürgerwürde unserer Hauptstadt verliehen bekommen. Man konnte sich schon ins Fäustchen lachen, als Berlins Chefclubber Wowereit die Laudatio auf jemanden halten musste, dem er diese Würdigung eigentlich gar nicht zugestehen wollte und der seine rot-rote Regierung einige Tage zuvor noch als "verbrecherisch" bezeichnet hatte.

Aber der vermutliche Ärger des regierenden Bürgermeisters war gar nichts im Vergleich zu den Ex-SEDlern, die mit Biermann nun überhaupt nichts anfangen können und sich ärgern, dass die Sache mit der Ausbürgerung nicht noch einmal funktioniert. Und so fließt in den einschlägig bekannten Publikationen der letzten DDR-Nostalgiker dann auch fleißig der Geifer.

Eingeschnappt gibt sich das ehemalige Sprachrohr der SED-Diktatur, das "Neue Deutschland":
"So, nun ist es wieder gut mit dem Rummel um Wolf Biermann. Gewiss hat es ihn gefreut, dass ihn ein CDU-Freund als Ehrenbürger Berlins ins Gespräch brachte. Erstaunlich nur, dass er sich nicht gleich selbst vorgeschlagen hat – überzeugt, wie er von sich ist."
Es ist fraglich, ob man es für besonders schlimm halten soll, von einem CDU-Mitglied für eine Ehrung vorgeschlagen zu werden, denn solange man aus den Reihen der PDS Gegenwind verspürt, kann man sich sicher sein, dass man auf der moralisch richtigen Seite steht. Und das Thema Selbstverliebtheit ist im Zusammenhang mit einer Person, die ihr Geld mit Stimme und Gitarre auf diversen Bühnen verdient, vielleicht nicht besonders passend, obwohl es für das "Neue Deutschland" bestimmt fruchtbar wäre, einmal die beiden grandiosen Selbstdarsteller Lafontaine und Gysi diesbezüglich unter die Lupe zu nehmen.

Das ehemalige Zentralorgan des sozialistischen Wiedergängers der HJ, der FDJ, die "Junge Welt", ist weniger beleidigt, als vielmehr stocksauer. Sie schreibt unter der Überschrift "Mordsehrung" über Biermann:
"Trotz seiner gelegentlichen Propagierung von Lynchmorden und Krieg ist der westdeutsche Bänkelsänger Wolf Biermann am Montag mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin ausgezeichnet worden."
Die Freunde der RAF schreiben in diesen Satz eigentlich alles, was ihnen an Biermann nicht gefällt, sein nicht vorhandener Pazifismus macht ihn zum Kriegstreiber, seine Ausbürgerung setzt ihn zum "Westdeutschen" herab, seine DDR/SED-kritischen Liedtexte degradieren den Musiker zum "Bänkelsänger". Die "Junge Welt" findet es unmöglich, dass Biermann trotz der bereits angekündigten Verleihung "auf die kreuzbrave Berliner Linkspartei.PDS eindrosch", den Grund dafür haben die Genossen natürlich auch parat: "DDR-Hass". Für diese Redaktion scheint es nichts schlimmeres zu geben. Und natürlich war es für die Totalitarismus-Nostalgiker noch wichtig zu erwähnen, dass "Marianne Birthler, Chefin der Rufmord-Behörde" Biermann zustimmte. Der komplette Bericht der "Jungen Welt" hätte sich nicht ein bisschen anders angehört, wenn das Blatt noch im faschistischen Arbeiter- und Bauernstaat erschienen wäre!

Herzlichen Glückwunsch, Wolf Biermann, offenbar hast du gut gezielt!

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