Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 1. November 2006

Wo sind eigentlich die Täter?

Heute Abend kommt im Ersten der Film "Nicht alle waren Mörder", der die Kindheitserinnerungen des Schauspielers Michael Degen behandelt. Vor einem Monat gab es den Film "Neger, Neger, Schornsteinfeger" mit dem Handy-Model Veronica Ferres. Und es gibt zahlreiche andere Filme dieses Schnittmusters, in denen die Deutschen beschrieben werden, die in der Zeit von 33-45 noch ein Stück "Anstand" bewahrt hatten, so z.B. heldenhafte Offiziere (Stauffenberg), Ehefrauen inhaftierter jüdischer Männer (Rosenstraße), Widerstandskämpfer (Sophie Scholl) oder auch die unschuldigen Opfer der Bombardierung deutscher Städte (Dresden), von Filmen über die übrigen Opfer der Nazis ganz zu schweigen.

All diese Filme mögen einen Teil der Wirklichkeit dieser Zeit wiederspiegeln und sie mögen ja auch gut gemacht sein. Es gab auch solche gutherzigen Deutschen - aber sie waren die Minderheit!

Darum will ich endlich mal einen Film sehen, der von einem ganz normalen Deutschen dieser Zeit handelt. Vielleicht einem Handwerker, der Juden hasst, Schwule für Missgeburten hält und der Meinung ist, dass die Demokratie ein riesiger Haufen Scheiße ist. Wo ist der Film über ein begeistertes Mitglied der SA? Wo die Reihe über einen Deutschen, der sich in den "freigeräumten" Ost-Gebieten einen Gutshof zulegt und polnische Arbeitssklaven als standesgemäß und notwendig betrachtet? Wo ist das Vater-Sohn Gespann, das sich am 9. November begeistert dem Mob anschließt, der den jüdischen Nachbarn den Laden verwüstet? Wie wäre es mit einem Film über einen Dorfpolizisten, der auf Menschenjagd in den Osten geschickt wird und seinen Job mit deutschem Pflichtgefühl durchführt?

Die begeisterten Anhänger des Nationalsozialismus kommen natürlich immer wieder in diesen Filmen vor, aber es sind meistens über-/unterzeichnete Nebenfiguren - der Gähn-Marathon "Der Untergang" ist kein Gegenbeispiel, Filme und Dokumentationen über die Parteielite gibt es ebenfalls zur Genüge. Auch der Film "NAPOLA" vom letzten Jahr, hat keine "normalen" Deutschen gezeigt, keiner der Hauptdarsteller ist in dem nationalen Blutrausch gefangen, der Millionen Deutsche zu den willigen Vollstreckern ihres Führers machte.

Die deutschen Filmemacher scheinen in letzten Jahren krampfhaft zu versuchen, der Welt klar zu machen, dass es nette Deutsche gab. Und so hat sich in den letzten Jahren eine beachtliche Menge von Filmen angesammelt, die alle ausgiebig eine kleine Minderheit im Dritten Reich beschreiben und die Mehrheit einfach ausblenden oder zu karabinerschwingenden und stahlbehelmten, gesichtslosen Verfolgern und Hitler degradieren.

Und trotz all dieser logischen Mängel werden weiterhin öffentliche Gelder in solche Selbstbeweihräucherungsproduktionen gepumpt. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen: Ich will Hollywood!

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