Wir sind umgezogen!

Freitag, 10. November 2006

Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht...

...ja, wer wirft dann bloß alles einen Schatten? Heidemarie Wieczorek-Zeul hat der Berliner Zeitung handfeste Gründe für das Erstarken der Taliban in Afghanistan genannt:

"Wo es unsicher ist, wird weniger geholfen, und es steigt aber die Unzufriedenheit der Menschen. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen. Es muss aber auch militärisch getan werden, was getan werden muss. Aber mit Augenmaß. Denn viele Afghanen nehmen die US-Truppen im Land nicht als Befreier, sondern als Besatzer wahr. Die Aversion der Afghanen gegen fremde Truppen wurde durch das oftmals martialische Verhalten der US-Truppen verstärkt. Ich meine damit zivile Opfer durch Bombardierungen, Folter in Gefängnissen, das Kultur-unsensible Verhalten von US-Truppen und das rücksichtslose Verkehrsverhalten amerikanischer Konvois in Kabul."

Ja, man weiß offensichtlich, was auch schon Clemenceau so trefflich formulierte: "Amerika - die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur". Also die Jungs am besten alle vorher nochmal auf´s Bänkchen zum Training der Kultursensibilität.

Vielleicht sollte sich Frau Wieczorek-Zeul aber auch nochmal mit Rolf Paasch, dem Beauftragten der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul unterhalten, um ihr Bild etwas abzurunden und mit anderen für sie ganz neuen Erkenntnissen zu würzen? Richard Herzinger verweist hier auf afghanische Befindlichkeiten, die leider viel zu wenig wahrgenommen werden: "Wir brauchen die Soldaten aus dem Westen wie unser tägliches Brot. (...) Rolf Paasch, Beauftragter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul, empörte sich heute nachmittag in einem Hintergrundgespräch in Berlin sehr über die Rückzugs-Stimmung aus Afghanistan, die in deutschen Medien derzeit generiert wird und über das Zerrbild der Lage in Afghanistan generiert, das sie zum Teil zeichnen. Tatsächlich sei es so, dass die überwältigende Mehrheit der Afghanen die Anwesenheit der westlichen Truppen heftig wünsche und begrüße. Jede auch nur andeutungsweise Rede über einen möglichen Rückzug werde von ihnen als alarmierendes Anzeichen von Verrat empfunden."

Und wie sprach schon der von Frau Wieczorek-Zeul so geschätzte Bill Clinton: "Wir sollten niemals aus den Augen verlieren, daß der Weg zur Tyrannei mit der Zerstörung der Wahrheit beginnt."

Kontakt

  • admin.wmd [at] googlemail.com