Wir sind umgezogen!

Samstag, 4. November 2006

Warum der Irakkrieg falsch war

Vorgestern traf ich in der S-Bahn nach längerer Zeit mal wieder einen Bekannten, dem im Verlauf eines sich zufällig entwickelnden Gesprächs das gelungen ist, was noch keiner geschafft hat - er konnte seine Ablehnung des Irakkriegs sinnvoll begründen. Er konnte dies, weil er von drei Prämissen ausging, innerhalb derer diese Haltung tatsächlich nachvollziehbar ist:

1. Völkerrechtlicher Formalismus steht über dessen praktischem Nutzen für die Menschen, d.h. man darf Menschen in Not nicht helfen, wenn man dazu gegen geltendes Recht verstoßen muß, ganz gleich wer mit welch fragwürdiger Legitimation dieses Recht gesetzt hat.

2. "Gewachsene" Kollektive wie Staaten oder Kulturen haben grundsätzlich Priorität gegenüber den Interessen der einzelnen dort lebenden Individuen, d.h. was eine Regierung mit ihren Untertanen macht, geht außer besagter Regierung selbst niemanden etwas an.

3. Nationaler Egoismus hat Vorrang gegenüber einem globalen Helfersysndrom, d.h. wenn die Hilfe für Menschen in fremden Ländern dazu führt, daß diejenigen, die diese Hilfe ablehnen, bei uns Terroranschläge verüben, muß man es aus Eigeninteresse lassen.

Auch wenn diese drei Prämissen allem diametral entgegengesetzt sind, woran ich glaube, so kann ich diese Haltung meines Bekannten als zwar moralisch grundfalsch, aber doch immerhin von einem abstrakten theoretischen Standpunkt durchaus in sich schlüssig respektieren.

Seine entwaffnende Ehrlichkeit ist jedenfalls um einiges sympathischer als die verlogene Heuchelei vorgeblich um das Wohlergehen der Iraker besorgter Gutmenschen, die sich letztlich nur aus weit niedrigeren Beweggründen wie offenem Haß auf George W. Bush, tiefen Ressentiments gegenüber Amerika und einer unbewußten Ablehnung der westlichen Welt speist, für die man auch bereit ist, notfalls Millionen von Menschen auf der ganzen Welt bedenkenlos zu opfern.

Diese selbsternannten Kriegsgegner sind genausowenig wirkliche Kriegsgegner wie sie Völkermordgegner oder Diktatorengegner sind, sondern sie sind nur Gegner von den USA (oder Israel) geführter Kriege. Sie sind nicht mal mehr das, was man gemeinhin als Moralapostel bezeichnet, sondern nur noch Pseudomoralapostel, die alle humanistischen linken und liberalen Ideale mit Füßen treten, die sie früher einmal gehabt haben mögen.

Der Fachausdruck dafür ist reaktionär.

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