Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 8. November 2006

USA: Pentagon-Chef Rumsfeld tritt zurück

SPIEGEL online

Nach dem Wahldebakel der Republikaner bei den Kongresswahlen hat US-Präsident Bush den Rücktritt von Verteidigungsminister Rumsfeld bekannt gegeben. Ex-CIA-Chef Gates wird Rumsfeld nachfolgen. Bush verteidigte seine Irakpolitik: Man wolle erst nach einem Sieg heimkehren.

Daß Parteien nach Wahlniederlagen einen Sündenbock suchen, der stellvertretend für die anderen den Kopf hinhalten muß, ist nichts wirklich neues. Und wenn Dick Cheney hätte gehen müssen, der außer dem Präsidenten den Rücken frei zu halten (und das auch nur, solange er nicht gerade eine Schrotflinte in der Hand hat) noch nichts nennenswertes für eine bessere Welt geleistet hat, wäre es auch nicht die Mühe wert gewesen, das größer zu kommentieren. Aber daß es gerade Donald Rumsfeld traf, nur weil die Medien seinen Kopf wollten, ist schon bitter.

Bei allen Fehlern, die er wie jeder andere Politiker sicher auch gemacht hat, so hat er doch Verdienste, die bleiben werden. Nicht nur, daß er - zumindest in seiner von ihm selbst scherzhaft so genannten Rolle als "Old Rumsfeld" - mit seiner unnachahmlichen Art, Politikerkollegen wie Medienvertretern komplizierte Sachverhalte auf unterhaltsame Art näherzubringen, eine Alternative zum üblichen Diplomatensprech aufgezeigt hat, deren fast schon britisch zu nennender schwarzer Humor konkurrenzlos ist, wie beispielsweise hier gegenüber den Fragen eines Reporters:

Reporter: What are you trying to do with those bunker busters?

Rumsfeld: Kill people.

Reporter: I meant what do you hope to find when you go to the place you dropped the bombs?

Rumsfeld: Dead people.

Vor allem aber hat er eine existentiell wichtige Modernisierung der US-Streitkräfte eingeleitet und gegen oft erbitterten Widerstand durchgesetzt, deren Bedeutung für die Zukunft der USA und damit der freien Welt noch gar nicht abzuschätzen ist. Denn auch wenn es gerade in Mode ist, die HighTech-Armee Rumsfeld'scher Prägung als Fehlentwicklung abzutun, so ist es doch eben dieser zu verdanken, daß Saddam Hussein überhaupt gestürzt werden konnte und daß die freie Welt auch ohne die Massenheere früherer Zeiten die militärische Handlungsfähigkeit gegenüber ihren Feinden behält.

Ob nun der Chef von der für die Präzision ihrer Lageeinschätzungen eher berüchtigten als berühmten CIA jemanden wie ihn ersetzen und seinen Modernisierungskurs weiterführen kann, bleibt erst mal abzuwarten. Rumsfeld, der zwar ein Konservativer alter Schule, aber trotz seines Alters zugleich auch ein weitsichtiger Reformer war, hinterläßt jedenfalls eine große Lücke. Schließen wir daher mit seinen eigenen Worten, die angesichts der aktuellen Entwicklung besser passen als je zuvor: "If you are not criticized, you may not be doing much." Er hat offenbar verdammt viel getan. Warten wir ab jetzt also auf seine Memoiren.

Kontakt

  • admin.wmd [at] googlemail.com