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Donnerstag, 2. November 2006

US-Wahlkampf: Das Ende der Neocons

SPIEGEL online

Ein Verlierer der US-Kongresswahl steht jetzt schon fest, egal wer am kommenden Dienstag gewinnt: die Neokonservativen. Deren Ideologie von einer militärisch demokratisierten Welt unter amerikanischer Führung ist im Irak gescheitert.

Das hätten die Realpolitiker und Appeaseniks wohl gerne. Sie können es offenbar einfach nicht verwinden, daß der 11. September und der darauf folgende Sturz Saddam Husseins wie auch der Taliban ihr eigenes spektakuläres Scheitern so unbarmherzig ans Tageslicht gezerrt hat, und daß erst wegen ihrem beispiellosen vorherigen Versagen überhaupt auf die NeoCons gehört wurde. Muß schon ganz schön bitter sein, wenn man dann selbst keine andere Alternative vorzuweisen hat, wie man den Karren wieder aus dem Dreck ziehen könnte.

New York - Francis Fukuyama war lange der Lieblingsideologe der Republikaner. Der Philosoph und Politologe von der Johns Hopkins University gilt als Vater der Neocons, jener "neokonservativen" Idealisten, die die Welt verändern wollten - mit präventivem Krieg, unilateraler Militäraktion und wohlwollender US-Hegemonie. Sein Buch "Das Ende der Geschichte" (1992) war die Bibel der späteren Chefstrategen des Irak-Kriegs, den Fukuyama selbst als Beispiel seiner Thesen befürwortete.

Francis Fukuyama als Vater der NeoCons? Eigentlich könnte man hier schon aufhören weiterzulesen, so demonstrativ sachkenntnisbefreit wie unser Marc sich heute wieder gibt. Aber dann würde man sich ja um das Vergnügen bringen, sich an ihm abzureagieren. Da möchte man zu gerne mal bei der Redaktionskonferenz Mäuschen spielen, einfach nur um zu sehen, wie ihn seine Vorgesetzten ins Achtung stellen, weil er mal wieder völlig unvorbereitet mit einem Artikel über ein Thema, von dem er nicht den blassesten Hauch einer Ahnung hat, die ohnehin schon angeschlagene Reputation des SPIEGEL erneut aufs Spiel setzt.

Dieses Jahr hat Fukuyama eine neue Bibel geschrieben: "America at the Crossroads" - eine bittere Abrechnung mit der Regierung von Präsident George W. Bush und dem Debakel im Irak. Darin nahm Fukuyama wütend Abschied von seiner eigenen, zum Modewort mutierten Ideologie, die er mit der "Tragödie" des Leninismus verglich: "Neokonservatismus als politisches Symbol wie Gedankengebäude hat sich zu etwas entwickelt, das ich nicht länger tragen kann", klagte der Vordenker. "Man gibt dieses Etikett besser auf und artikuliert eine völlig andere außenpolitische Position."

Der gute Marc scheint irgendwie nicht ganz mitbekommen zu haben, daß Fukuyama noch vom Ende der Geschichte schwafelte, als die NeoCons sich bereits Gedanken machten, was alles noch zu tun ist, damit Fukuyama wenigstens in ferner Zukunft mal recht behalten könnte. Genauso wenig, wie daß er nur deswegen vorübergehend bei Wolfowitz und Perle mitmachte, weil das zeitweilig als schick galt und eine gewisse Aufmerksamkeit sicherte. Daß er dann getürmt ist, nur weil die bösen Jungs überraschenderweise erbittert um ihre Existenz kämpfen, statt sich brav am nächsten Polizeiposten zur sofortigen Verhaftung zu melden, sagt schon alles darüber aus, inwieweit Fukuyama ein richtiger NeoCon und nicht nur ein peinlicher Opportunist ist.

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