Wir sind umgezogen!

Donnerstag, 2. November 2006

Throw the Jew Down the Well

Heute läuft in den deutschen Kinos der Film "Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan" an. Der englische Komiker Sacha Baron Cohen spielt darin den kasachischen Reporter Borat Sagdiyev, der sich auf einer Reise durch die USA befindet und Pamela Anderson heiraten will. Während dieser Reise konfrontiert er die Amerikaner, die keine Ahnung haben, dass es sich um einen Scherz handelt mit diversen Unverschämtheiten. So will er sich z.B. einen Hund kaufen und testet dessen Aggressionspotential an der Verkäuferin, die sich zu diesem Zweck die Finger wie Hörner an den Kopf halten und dazu "Shalom" sagen soll.

Borat hat es einfach auf Zigeuner und die "big nose guys" abgesehen, bei Youtube gibt es für seinen Antisemitismus noch zwei weitere, viel krassere Beispiele. So trat Borat in einer Countrybar auf und stimmte folgendes Lied an:
"Throw the Jew down the well / so my country can be free/
you must grab him by his horns / then we have a big party"
Die anderen Besucher der Bar stimmen dabei fröhlich mit ein und sind von dem Song offenbar begeistert. Bei einer anderen Gelegenheit sinnierte Cohen alias Borat mit dem Betreiber einer Ranch über die Idee einer organisierten Judenjagd für zahlendes Publikum.

Ich finde den Typen wirklich lustig. Mit der Darstellung eines ausländischen Trottels, der sich ungeniert über seine Vorurteile auslässt, bietet er anderen Personen die Gelegenheit ihm vertrauensvoll zuzustimmen und dabei gewinnt man Einblicke, die man sonst unmöglich aus den Leuten herausbekommen hätte.

Nun gibt es aber das deutsche Feuilleton und das sieht in diesem Film nicht eine Reihe amüsanter Interviews, sondern eine Vorführung Amerikas und tut so, als ob es Antisemitismus und Nationalismus in Deutschland oder anderen europäischen Ländern nicht gäbe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in Deutschland, Frankreich oder Italien genauso funktionieren würde, nur macht es leider niemand. Stattdessen tanzen die deutschen Comedy-Pflaumen über die Fernsehbildschirme und versuchen, in größtenteils aus den USA (!) oder Großbritannien importierten Showformaten, ihre Witzigkeit zu beweisen oder 1968 politisierte Kabarettisten, die ernsthaft denken, sie könnten mit ihrem ausgelutschten Bashing von Marktwirtschaft und Globalisierung den moralischen Zeigefinger der Republik spielen, jammern dem Zuschauer die Ohren voll.

Deutschland braucht mehr Provokation und weniger Fairness im Umgang mit neuen Nazis und Islamisten. Aber lustige Stimmenimitationen, B-prominent besetzte Spaßshows und Witze über US-Präsidenten sind einfacher zu machen und kommen trotzdem immer gut an - warum sollte sich die deutsche Humorszene also die Finger schmutzig machen, wenn man mit lauer Politikerschelte beim WDR auch gut verdienen kann?

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