Wir sind umgezogen!

Sonntag, 5. November 2006

Real gedacht, nix draus gemacht

No Blood For Sauerkraut

Hier wurde mal wieder ein Kommentar mit soviel Liebe geschrieben, daß man ein Unmensch wäre, würde man das angestrengte Bemühen um eine auf die einzelnen Punkte eingehende Argumentation nicht angemessen würdigen. Daher soll dies im folgenden auch ausnahmsweise in einem eigenen Artikel geschehen:

Der Kommentator vergisst an dieser Stelle, dass es die Reagan-Administration unter maßgeblicher Beteiligung der später als Neocons bekannt gewordenen Politiker es waren, die die Taliban aufgerüstet und Saddam gestützt haben.

Erstens, mein kenntnisreicher Freund, kann die Reagan-Administration die Taliban schon deswegen nicht unterstützt haben, weil letztere erst Jahre nach dem Ende der Amtszeit ersterer die Bühne der Weltgeschichte betraten. Zweitens, nur für den Fall, daß Du damit nur ganz allgemein die Unterstützung fundamentalistischer Mudschahidin durch die USA meintest (was zugegeben jedem mal passieren kann), so begann diese nicht nur vor der Amtsübernahme Reagans, sondern sogar noch vor dem Einmarsch der Russen in Afghanistan. Und drittens hat Reagan sicher seine Verdienste, aber der erste NeoCon-Präsident zu sein gehört ganz gewiß nicht dazu.

Und es war Bush sen., der im Irak nicht einmarschierte, als er die Möglichkeit 1991 bestand.

Tja, anders als der Junior war der Senior eben kein großer Präsident, sondern nur ein durchschnittlicher. Wenn überhaupt.

Hier ist allerdings richtig, dass ihn die späteren Neocons dafür heftig kritisierten und seine Administration zwar eine republikanische, jedoch auch eine realpolitische Politik betrieben. Deren vorhandene integrationistischen Ansätze sind den Neocons aber bis heute suspekt

Dafür liebe ich sie ja so. Alleine diese Ablehnung der moralvergessenen Realpolitik - wunderbar!

Bill Clinton, der Nähe zu den Neocons relativ unverdächtig, war es dann maßgeblich, der im Irak eine Politik der Härte gezeigt hat.

Zumindest war sie härter, als er später noch daran erinnert werden wollte. Wobei es natürlich ohnehin einfacher ist, den Wählern zu verkaufen, daß mal wieder ein paar Marschflugkörper der 5. Flotte nachgefüllt werden müssen, als ihnen diese häßlichen schwarzen Plastiksäcke zu erklären, die da gerade aus der Galaxy gerollt werden.

Allerdings, und das ist das entscheidende, hatte er zumindest einen Plan im Hintergrund, was von Bush jun. nicht behauptet werden kann.

Ob sein Plan, was nach der im Iraq Liberation Act geplanten Befreiung des Irak dort im einzelnen zu geschehen habe, wesentlich detaillierter war als der seinen Amtsnachfolgers, lassen wir mal dahingestellt. Festzustellen bleibt aber, daß das, was er bereits umgesetzt hat, die Iraker auf unbestimmte Zeit zu Bewohnern des größten Bombenzielgebiets dieses Planeten machte, ohne dabei eine konkrete Alternative zum Tod hunderttausender Iraker durch die Sanktionen bzw. Saddams Herrschaft zu bieten.

Was fehlte war nicht nur eine Exit Strategy, sondern auch eine Nation Building Strategy wie nach dem Sturz Saddams mit dem Irak umgegangen werden soll.

Beides gab es natürlich. Die "nation building strategy" hieß Demokratie, den Rest kriegen die Iraker, die ja entgegen einem in der westlichen Intelligenzija weitverbreiteten Vorurteil keine unmündigen Kinder sind, dann schon selber hin. Und die "exit strategy" bedeutete, daß man abziehen wollte, sowie die Iraker so weit waren, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Genauso wurde es dann ja auch umgesetzt. Und was ist daran jetzt bitte schön falsch?

(Hier gibt's mehr davon...)

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