Wir sind umgezogen!

Montag, 6. November 2006

Laßt ihn hängen!

Jawohl, ich bin auch gegen die Todesstrafe. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich das Modell Rudolf Hess für Saddam Hussein gewählt. Vielleicht angereichert mit einigen zusätzlichen Mitteln öffentlicher Demütigung — Konfrontation mit Opfern unter Einbeziehung der Öffentlichkeit beispielsweise.

Aber jetzt hat sich ein irakisches Gericht nunmal für die Todesstrafe entschieden. So, wie sich täglich überall auf der Welt — leider, leider — Gerichte entscheiden, Verbrecher mit dem Tode zu bestrafen. In Demokratien wie den USA, Indien und Japan, sozialistischen Staaten wie Kuba und Nordkorea, beim Vorkämpfer gegen den Neoliberalismus in Weißrußland und im erzkapitalistischen Taiwan — überall kann man, für mehr oder weniger schwere Vergehen, mit dem Tode bestraft werden.

Was also wirklich seltsam ist, das ist die Tatsache, daß ausgerechnet das Todesurteil gegen Saddam Hussein den diplomatischen Apparat von Ländern wie Frankreich und Italien auf Hochtouren beschleunigt. Ressourcen sind knapp, überall, auch in der Diplomatie und gerade dann, wenn es um Aufmerksamkeit geht. Der Aufwand, den man zur Rettung Saddam Husseins betreibt, ist gleichzeitig ein Aufwand, den man zur Rettung tausender Namenloser, in chinesischen Fußballstadien per Genickschuß entsorgter Kleinkrimineller nicht betreibt. Und auch nicht zur Rettung einer gesteinigten Teenagerin im Iran, die ein so schlimmes Kapitalverbrechen wie einen Ehebruch zu verantworten hat.

Man muß sich also schon fragen: Wieso jetzt diese Aktivität? Was hat Saddam Hussein, das ein wegen Hochverrat an die Wand gestellter kubanischer Oppositioneller nicht hat? Charisma? Ein gewinnendes Lächeln? Oder bietet seine Verurteilung einfach mal wieder eine gute Gelegenheit, dem Projekt eines demokratischen Irak diplomatisch ans Bein zu pinkeln?

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