Wir sind umgezogen!

Montag, 13. November 2006

Karlheinz Böhm auf Kuschelkurs

Böhm hat mit seiner Stiftung "Menschen für Menschen" unbestritten Beachtliches geleistet in Äthiopien. Aktuell liegt sein Fokus auf der Steigerung der gesellschaftlichen Anerkennung der Frau: "Die Position der Frau in der äthiopischen Gesellschaft ist so wie sie bei uns ungefähr vor 150 Jahren mal gewesen ist und ist meiner Meinung nach einer der Gründe,einer der Gründe für die Armut der Gesellschaft und des Landes, weil es sich schwer entwickeln kann. Und da arbeiten wir also sehr, sehr intensiv daran, der Frau eine bessere gesellschaftliche Position zu erkämpfen..."

Offensichtlich ist der Preis für ungehinderte Entwicklungsarbeit allerdings die Verniedlichung der politischen Probleme des Landes. Diese Interpretation drängt sich zumindest auf bei folgender Äußerung Böhms zum Eritrea-Krieg:

"Erstens mal muss ich Ihnen sagen, das, was man hier in den Gazetten liest, in den Zeitungen oder im Radio hört, in Radiosendern, ist für mich sehr, sehr anders als das, was ich dort erlebe, wenn ich praktisch dort lebe. Es wird immer sehr dramatisch dargestellt, und ich nenne Ihnen ein Beispiel: Diesen zwei Jahre dauernden Grenzkonflikt, möchte ich es bezeichnen, nicht Krieg, zwischen Eritrea und Äthiopien, das habe ich in dem Land, der ich dort gelebt habe, während der ganzen Zeit, überhaupt nicht mitbekommen, kaum überhaupt gesehen."

Immerhin hat dieser "Grenzkonflikt" knapp einhunderttausend Menschenleben gekostet, noch heute patroullieren 4.300 Uno-Soldaten in den völlig verminten Gebieten, und die äthiopische Regierung gab ca. 1 Million $ pro Tag für Kriegführung aus. Außerdem wurden ca. eine Million Eritreer zu Flüchtlingen (entspricht ca. einem Drittel der eritreischen Bevölkerung), auf äthiopischer Seite ca. 350.000.

Ein wenig Spekulation über Böhms Beweggründe zur political softness mag daher erlaubt sein. Auch ihm dürfte nämlich bekannt sein, dass die Regierung ihr ohnehin schon mageres Budget zu einem Großteil zur Kriegsführung bereitstellt und die Hungersnöte teilweise selbst noch schürt, ohne sich wirksam um die Versorgung der immer wieder betroffenen Gebiete zu kümmern. Oder dass die äthiopischen Gefängnisse voll von politischen Gefangenen sind und Folter an der Tagesordnung ist.

Man sollte also (frei nach Pythagoras) entweder schweigen oder Dinge sagen, die besser sind als das Schweigen.

Kontakt

  • admin.wmd [at] googlemail.com