Wir sind umgezogen!

Mittwoch, 1. November 2006

Die Perversion mancher Amerikahasser

Antiamerikanismus ist weit verbreitet. Aber man kann ihn nicht einfach einordnen, da er über die verschiedensten Auswüchse, Formen und Arten verfügt. Manches hat einen wahren Kern. Über andere Äußerungen kann man nur mehr lachen, etwa über jene zahlreichen Menschen, die gerne über die "Amis" herziehen, gleichzeitig aber den amerikanischen Lebenstil in allen Formen, sei es Essen, Kleidung, Fernsehen, Bücher übernommen haben.

Aber es gibt auch eine perverse, unerträgliche Form des Antiamerikanismus, so unfassbar geschmacklos, dass man Probleme hat, dass fast verdaute Abendessen in sich zu behalten.

Etwa hier, in diesem Fall.

Eine großartige, auch von mir geschätzte russische Journalistin, die es wagte, die Verbrechen Russlands im Tschetschenienkrieg aufzuzeigen und zahlreiche kritische Bücher, Essays gegenüber den Auswüchsen in Putins Russland geschrieben hat, wurde kaltblütig regelrecht hingerichtet, wie bereits auffällig viele gute Journalisten in Russland in den letzten Jahren.
Russland-Experten sind sich einig: Die vielen toten Journalisten, ausgerechnet die kritischten ihrer Zunft, werden nicht umsonst immer mehr. Zweifelsohne will da jemand alles mundtot machen, was unangenehme Kritik übt, kurzum: Die Wahrheit sagt.
Man braucht es sich eigentlich nur usammen reimen.

Aber anstatt menschlicherweise Mitgefühl für die grausam getötete Journalistin zu zeigen und endlich einmal gegen die immer mehr diktatorischen Zustände in Russland zu protestieren, fällt dem ein oder anderen User in den "Standard-Foren" im betreffenden Thread nichts anderes ein, als die Tat - indem man diesen Fall für einen klassischen Antiamerikanismus-Sager benutzt - indirekt zu relativieren.

Einen Höhepunkt gefällig?

Ein User wirft plötzlich zusammenhangslos die Frage in den Raum: "Wie viele journalisten haben die amis während des irak-krieges umgebracht?"

1. Eine grobe versuchte Relativierung des aktuellen Falls.
2. Haben die Amerikaner niemals absichtlich einen Journalisten im Irak getötet.

Und so etwas in der Art zieht sich durch zahlreiche Themen. Egal ob Russland, China, Nordkorea: Kaum werden in diesen Ländern die unmenschlichen Missstände angesprochen, kommt einer daher und muss durch den Hinweis auf die "Amis" die anderen Missstände relativieren, und rechtfertigen.

Was soll das?

1. Haben die Missstände in Russland absolut nichts mit den Verfehlungen der Buchregierung zu tun.

2. Gibt es in Amerika im Gegensatz zu Russland noch immer eine breite Pressefreiheit, die besten Journalisten der Welt, die besten Zeitungen, Zeitschriften.

So etwas wie Guantanamo, Abu Ghrarib, Cia-Gefängnisse hätten russische Medien niemals aufdecken können.

Amerika beweist trotz aller Fehler immer wieder, dass es eine ordentliche Demokratie besitzt, indem es selbst durch verschiedene Mittel die eigenen Fehler aufdeckt - Und die betreffenden Herrschaften, sollte es auch länger dauern, dazu zwingt, sie zu korrigieren. In Russland ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Verdacht liegt aber nahe, dass man dies den Hardcore-Antiamerikanisten nicht erklären kann.

Fundamentalisten bleibt Fundamentalisten, so oder so. Und mit denen kann man der Erfahrung nach nicht diskutieren.

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