Wir sind umgezogen!

Montag, 13. November 2006

Die Expertin

ARD-Expertin Bettina Marx, die regelmäßig durch ihre scharfsinnigen Analysen auffällt, hat wieder zugeschlagen. In einem herzallerliebst eingesprochenen Audiokommentar auf der Internetseite der Tagesschau schlussfolgert sie messerscharf, dass die israelischen Koordinaten nicht mehr stimmten. Aus diesem Kommentar hier die absoluten Highlights:
"[...] Seit Jahren setzt die politische Führung im Konflikt mit den Palästinensern ausschließlich auf Gewalt. Von politischen Initiativen oder humanitären Gesten kann schon lange keine Rede mehr sein. Ethische Maßstäbe und moralische Wertvorstellungen sind dabei völlig verloren gegangen. Die völlig unproportionale Gewalt gegen die Palästinenser die immer wieder auch Unschuldige trifft, ruft in Israel selbst keinen Protest mehr hervor."
Die angebliche Expertin sollte eigentlich wissen, dass die letzte Behauptung nicht wahr ist. Es gibt eine israelische Friedensbewegung, die der hiesigen in nichts nachsteht und eben keinen monolithischen, jüdischen Klotz, der nach Araberblut lechzt. Aber vielleicht hat Frau Marx das übersehen, während sie damit beschäftigt war, über all die "politischen Initiativen" und "humanitären Gesten" der arabischen Staaten zu berichten, die diese täglich mit einer Extraportion Nächstenliebe ausgestattet rund um den Globus senden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Frau Marx sich nicht mehr aus dem gemütlichen Hörfunkstudio in Tel Aviv heraustraut, da doch außerhalb dieses Hortes deutscher Friedfertigkeit überall Menschen lauern, die nicht mit "ethischen Maßstäben" oder "moralischen Wertvorstellungen" ausgestattet sind.

Frau Marx ist außerdem empört darüber, dass die IDF das Haus einer Abgeordneten der Terrorbande Hamas beschossen hatte und dabei unglücklicherweise deren Schwester getötet worden war. Die Abgeordnete hatte "eine Frauendemonstration" in Beit Hanun organisiert, damit meint Frau Marx den medienwirksamen Aufmarsch der menschlichen Schutzschilde, der vor einigen Tagen weltweit über die Mattscheiben geflimmert war.
"Im Schutz dieser Demonstration waren die Männer entkommen, die sich in der Moschee von Beit Hanun vor den israelischen Truppen in Sicherheit gebracht hatten."
So kann man es natürlich auch ausdrücken: "Männer", die doch nur Raketen auf ein paar Judenbengel abgefeuert hatten. Was fällt den Israelis eigentlich ein, etwas gegen diese Leute zu unternehmen? Warum haben sie gegen diese "Männer" nicht eine "humanitäre Initative" gestartet? Dem hätten die Fraueninsäckeeinwickler der Hamas bestimmt nichts entgegenzusetzen gehabt!

Die Empörung in Israel, die die menschlichen Schutzschilde ausgelöst hatten, versteht Frau Marx gar nicht, auch wenn ihre Begründung eher hanebüchen daherkommt.
"[..] diese simple Sicht der Dinge trifft die Realität überhaupt nicht. Denn die palästinensischen Kämpfer, egal ob man sie als Terroristen oder Widerstandskämpfer bezeichnen will, sind die Männer, Söhne und Väter dieser mutigen Frauen. [...] Es war kaum zu erwarten, dass die Frauen dabei zusehen, wie ihre Männer bei lebendigem Leib [durch die IDF Bulldozer] begraben werden."
Leider wird dem werten Hörer nicht mitgeteilt, was diese Umstände zum Beleg dafür macht, dass die Hamas hier keine menschlichen Schutzschilde eingesetzt hat. Frau Marx' Verweis auf den Umstand, dass die israelischen Soldaten ebenfalls "Brüder" seien, ist nebensächlich und hat mit dem Vorfall gar nichts zu tun, aber vielleicht fehlte ihr einfach ein passendes "aber die Israelis auch" und so hat sie sich eins gebastelt.

Wieder einmal wird hier relativiert und die Mörder der Hamas werden zu "Kämpfern" oder "Widerstandskämpfern", Letzteres mal wieder in ein elegantes Verklausulierungsgewand gekleidet, so dass der Vorwurf der Relativierung leicht mit der windelweichen "ob man sie nun ... nennen will"-Formulierung abgeschmettert werden kann. So kann man wunderbar die deutschen Seelen erreichen, unter denen ja die meisten meinen, dass Israel der gefährlichste Staat der Welt ist und die Juden "etwas Eigentümliches an sich" haben und "nicht zu uns passen". Die se Deutschen können sich bei diesen dummen Feststellungen nun auf einen weiteren "Beweis" stützen.

Ja, so sieht sie aus, die Welt der Bettina Marx. Und dazu muss man einfach noch mal anmerken: Diese Frau wird von unseren Rundfunkgebühren bezahlt!

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