Wir sind umgezogen!

Donnerstag, 9. November 2006

Deutsche wehrt Euch – Nein zur ent-Arisierung deutscher Museen!

Als die Deutschen in den dreißiger Jahren entschieden, nicht nur Nazis zu werden, sondern auch alle Juden zu ermorden, stellte sich begreiflicherweise die Frage: was machen mit dem zurückbleibenden Besitz? Unter anderen nahm man in jener Zeit jüdischen Kunstsammlern zuerst ihre Werke weg und dann ihr Leben. Bis heute hängen in vielen Museen Deutschlands und Österreichs Bilder, die auf diese Weise beschafft wurden. Dies ärgert in Deutschland eigentlich niemanden. Nun verlangen aber vermehrt die Hinterbliebene oder Nachfahren derer, die getötet wurden, die Herausgabe ihres Besitzes. Darüber wiederum ärgert man sich in Deutschland sehr wohl. Was für ein perverses Gerechtigkeitsempfinden hier vorherrscht, wenn es um geraubtes bzw. arisiertes jüdisches Eigentum geht, kann gerade sehr anschaulich in einem SPIEGEL Artikel beobachtet werden.

In New York werden momentan einige der Bilder, die nach langen Gerichtsprozessen endlich an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurden, versteigert. Nun steht es ja eigentlich jedem Menschen frei, seine Kunstwerke auf diese Weise zu veräußern. Doch offensichtlich sieht die Sache bei Bildern, die von den Nazis geraubt und niemals freiwillig an die Bestohlenen zurückgegeben wurden, anders aus. Empört berichtet der SPIEGEL darüber, dass Ron Lauder nicht nur die Erben einstiger Kunstsammler bei ihrem Prozess unterstütze, sondern nun auch eifrig bei den Auktionen mitmischt und Kunstwerke aufkauft. Man weiß nicht, was das schlimmere Vergehen ist. Im Artikel heißt es:

Lauders Coup hat einen schalen Beigeschmack: Wie der SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe berichtet, hatte Lauder wesentlichen Anteil am Zustandekommen der so genannten “Washingtoner Konferenz”. In dem Abkommen hatte unter anderem die Bundesregierung 1998 zugesichert, geraubte Kunstgüter an die Nachfahren von NS-Opfern zurückzugeben. Der Verdacht, dass Lauder mit seinem Eintreten für das Wohl von NS-Opfern nicht ganz uneigennützig gehandelt hat, erhärtet sich. Sein Vorgehen hat lange niemand durchblickt: Erst sorgt er dafür, dass wertvolle Gemälde an die Erben der früheren Besitzer zurückgegeben werden, dann kauft der als obsessive Sammler bekannte Lauder die Werke selbst auf, die anders niemals auf dem Kunstmarkt zu haben gewesen wären. Zwei Beispiele: Im Juni erwarb er für 135 Millionen Dollar Klimts “Adele Bloch-Bauer I”, das durch seinen Einsatz kurz zuvor restituiert worden war, jetzt Kirchners “Berliner Straßenszene”.

Man muss wirklich staune über Lauders Gerissenheit! Was genau er nun kritisierbares getan hat, wird zwar nicht ganz klar und die von ihm gezahlten Summen dürften durchaus angemessen gewesen sein, aber trotzdem kann und darf es schlich nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sich da einer gleich auf zweierlei Weise gegen die deutsche Museumslandschaft vergeht. Schön auch der subtile Hinweis im Artikel darauf, wie wunderbar die Staffelübergabe zwischen Nazideutschland und der BRD in diesem Zusammenhang funktionierte: dann kauft der als obsessive Sammler bekannte Lauder die Werke selbst auf, die anders niemals auf dem Kunstmarkt zu haben gewesen wären.

Es kann auch durchaus als Geschmacklosigkeit angesehen werden, wenn sich ein deutsches Magazin darüber beklagt, dass viele der nun wieder ent-arisierten Werke in Zukunft der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich wären, da sie nun in den Tresoren anonymer Anleger verschwinden würden. Lieber sieht man das Portrait der „Adele Bloch Bauer“ in einer Ausstellungen hängen und nimmt das damit verbundenen schreiende Unrecht in Kauf, als dass dieses schöne Bild durch die Rückgabe an die Besitzer den Blicken des Volkes entzogen würde. Die Deutschen lieben eben die Kultur und die Künste.

Ebenfalls empört ist der SPIEGEL über die Dreistigkeit von Frau Altmann, einer eleganten älteren jüdischen New Yorkerin, die noch immer nahtlos in einen astreinen Wiener Dialekt verfallen kann, der Grund: in Hinblick auf die Versuche der österreichischen Regierung, die Bilder behalten zu können oder zumindest weiterhin zeigen zu dürfen, entgegnete sie nur: Ich verteile keine Spenden! Trotzdem kann der SPIEGEL zumindest einen Teilerfolg verbuchen:

Wenigstens konnte das Picasso-Portrait “Angel Fernandez de Soto”, mit einem geschätzten Verkehrswert von 60 Millionen Dollar noch mit knapper Not dem Strudel des Kunst-Spekulationswahns entgehen.

So ist es nämlich: Schlimm sind nicht die Arisierungen sondern der Kunst-Spekulationswahn und schlimm ist auch nicht, dass die Deutschen auf brutalste Weise den Besitz jüdischer Kunstsammler stahlen, sondern dass nun auf rechtlichen Wege den Opfern ihr Eigentum wieder zuerkannt wird und schließlich: Schlimm waren nicht die einstigen Kunstverliebten deutschen Nazis, sondern die lebenden profitorientierten New Yorker Jüdinnen, die noch immer nahtlos in einen astreinen Wiener Dialekt verfallen können.

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