Wir sind umgezogen!

Freitag, 10. November 2006

Das Auge der universalen Menschheit

Primatenforscher und Ethnologen haben gründlich bewiesen, dass ethnozentrisches Denken, Fühlen und Handeln ein Produkt der Evolution ist. Um in feindlicher Umwelt zu überleben konnten wir nicht jeden Fremden zum Tee einladen um mit ihm vorurteilslos über Gott und die Welt zu plaudern. Die frühen Menschen wurden bei jeder Begegnung mit unbekannten Wesen in Alarmbereitschaft gesetzt, ihr Gehirn fing blitzschnell an zu rattern: Freund oder Feind? Angreifen, wegrennen oder freundlich sein?

Nicht nur unser Geist, die Fähigkeit auf unser Verhalten zu reflektieren, Vorurteile zu korrigieren, Impulse zu kontrollieren etc. schenkt uns die Möglichkeit, dieses gefährliche Erbe, wenn schon nicht vollständig, dann doch weitgehend zu überwinden. Schon die menschliche Biologie bietet Möglichkeiten der Korrektur.

Christopher Badcock hat zum Beispiel bewiesen, dass Primaten sich nicht nur für die Tiere altruistisch einsetzen, sie schützen oder unterstützen, die ihre Gene tragen, sondern für alle Tiere von denen sie überzeugt sind, dass sie die eigenen Gene tragen. Ihr Gehirn kann nur einschätzen, niemals sicher wissen, wer wieweit verwandt ist. Das aber bedeutet, dass man diese Tiere austricksen kann. Tiere, die ähnlich aussehen und sich ähnlich verhalten, können als Partner oder Familienangehörige eingestuft und entsprechend gut behandelt werden. Badcock vermutet, dass der Mensch den Kreis der moralisch zu behandelnden Menschen ausgerechnet durch diesen Wahrnehmungsfehler auch auf emotionaler Ebene ausdehnt.

Der Economist berichtet nun von neuen Studien, die beweisen, dass die Augen des Menschen eine weitere Möglichkeit der erweiterten Kommunikation und Kooperation bieten. Unsere Augen sind geweiteter, sie zeigen mehr und hellere weisse Fläche als die Augen verschiedener Primatenarten. Dadurch kann die Richtung unserer Blicke sehr viel besser erfasst werden.
Was die Forschungen nicht beweisen, was aber nahe zu liegen scheint und weiter erforscht werden sollte, ist die Tatsache, dass unsere Augen nicht nur die Konzentration unserer Aufmerksamkeit, sondern auch mehr über unsere Intentionen und Gefühle verraten.
Diese (dann also auch seelische) Öffnung war sicher ein riskanter Schritt: durch sie konnten wir wohl auch besser enttarnt werden, unser Verhalten war auch für unsere Feinde besser berechenbar, wir bewegten uns etwas ungeschützter in der Welt.
Von nicht zu unterschätzendem Wert werden aber die besseren Möglichkeiten der Vertrauensbildung und der Zusammenarbeit gewesen sein, sonst wären diese Augen wahrscheinlich nie selektiert worden.
Sicher können uns auch die Augen anderer Menschen täuschen. Aber meist erlauben sie uns wohl eine bessere Einschätzung ihres Innenlebens und damit auch eine bessere Einschätzung ihres vorraussichtlichen Verhaltens. Durch diese besseren Möglichkeiten der Beobachtung anderer Menschen können wir weit über den begrenzten Horizont unserer unmittelbaren Umgebung hinaus, ohne allzu großes Risiko, mit eben niemals völlig fremden Menschen Kontakte knüpfen, Misstrauen abbauen und zusammenarbeiten.

The idea that people evolved eyes that make it easy for others to see where they are looking suggests just how important sociability was for early humans. If human interactions were primarily competitive, it would be advantageous to camouflage eye movements, as other apes seem to have done. That way, it would be hard for a competitor to see someone eyeing a tasty banana or potential mate. Instead, people have evolved to make it easy for others to see where they are looking. The advantages of co-operation seem to have outweighed those of competition.

Lange vor der Vernunft könnten sich unsere Augen für die Idee einer universalen Menschheit geöffnet haben.

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