Wir sind umgezogen!

Montag, 6. November 2006

"Auge um Auge, Zahn um Zahn"?

Ohne hier eine weitere Baustelle zum Thema "Todesstrafe ja oder nein" aufzureißen, sei ein kurzer Blick auf einen der Nebenschauplätze zum Urteil im Saddam-Prozeß erlaubt. Dass Menschenrechtsorganisationen das Urteil ablehnen, begründet sich aus ihrer Mission. Dass aber ausgerechnet der Vatikan in diesem Zusammenhang das antijüdische Klischee "Auge um Auge, Zahn um Zahn" bemüht, um das Urteil zu kritisieren, läßt tief blicken: "Das Urteil zeige, dass noch immer die Logik des "Auge um Auge, Zahn um Zahn" herrsche, sagte Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden." (Quelle: www.standard.at). Und was heißt in dem Zusammenhang eigentlich "noch immer"?? Papst Benedikt äußerte sich bisher weder zum Urteil noch zum Statement seines Kardinals.

Dabei dürfte auch einem katholischen Gelehrten durchaus bekannt sein , dass die Übersetzung "ajin tachat ajin" als "Auge um Auge" falsch ist. Sie widerspricht dem jüdischen Verständnis der Thora und widerspiegelt häufig das Rechtsverständnis und die Rachsüchtigkeit der Person, welche die Thora falsch versteht und verurteilt. So erklärte Kardinal Mariono denn auch weiter, "die Vollstreckung des Urteils wäre eine "rachsüchtige" Tat."

"Ajin tachat ajin" bedeutet "Auge für Auge": Ein Mensch, der einem anderen Menschen eine Verletzung zugefügt hat, wird von der Thora verpflichtet, die Verletzung finanziell zu entschädigen. Martino in seiner Eigenschaft als Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden sollte in der Lage sein, seine Kritik ohne billige Polemik zu äußern.

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